Wohnmobil-Zulassung-nach-Camper-Ausbau

Wohnmobilzulassung durch TÜV nach Camper Selbstausbau

21. März 2022 47 Von Björn Hofmann

Aktualisiert am 9. April 2022

Das große Finale am Ende eines Camper-Selbstausbaus ist die Wohnmobil Ummeldung. Die Hürden für eine erfolgreiche Wohnmobilzulassung klingen zu Beginn schwierig und können einem tatsächlich den letzten Nerv rauben. Doch ich sage Dir, das ist alles leichter zu schaffen, als Du gerade denkst. Deswegen möchte ich meine gesammelten Erfahrungen für eine erfolgreiche Wohnmobilzulassung mit Dir teilen. Mit der Ummeldung, kannst Du sogar bei Steuern und Versicherung einiges sparen. Los gehts!

Am Ende vom Artikel wartet ein Video auf Dich, wo ich fast 30 Minuten ohne Punkt und Komma über die Wohnmobil-Zulassung rede. Wenn Du also erst einmal nur hören willst, statt lesen, dann ist das Video für Dich perfekt.

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Warum sollte ich zum TÜV nach einem Camper-Selbstausbau?

Wenn Du Dein Fahrzeug, egal ob Pkw oder Lkw zu einem Camper ausbaust, änderst Du damit Deine Fahrzeugart. Das heißt im Klartext, dass Deine allgemeine Betriebserlaubnis erlöschen kann. Somit solltest Du nach Deinem Ausbau bei TÜV oder DEKRA vorbeischauen. Der TÜV-Verband hat auf seiner Website dazu folgendes geschrieben:

Wohnmobile sind häufigen Um- oder Aufbauten von Transportern. Doch durch den Umbau zum Wohnmobil kann ihre Allgemeine Betriebserlaubnis erlöschen.

Auszug vom Artikel „Merkblatt Wohnmobile“ vom TÜV-Verband (VdTÜV)

https://www.vdtuev.de/news/merkblatt-wohnmobile

Update zur Wohnmobilzulassung

Am 19.01.2022 wurde das TÜV Merkblatt: Anforderungen an Sonstiges Kraftfahrzeug – Wohnmobil (MB FZMO 0740:2022-01-19) komplett überarbeitet und neu veröffentlicht. Dies entstand in Zusammenarbeit mit dem TÜV und der DEKRA.

Hier gelangst Du zum TÜV Merkblatt 740. Das Merkblatt gibt es jedoch nicht kostenlos vom TÜV, sondern kostet um die 40 €. Mit dem Merkblatt bekommst Du aber dafür bis ins kleinste Detail alle Informationen für eine erfolgreiche Wohnmobilzulassung, falls Du mit meinen folgenden Informationen nicht weiter kommst.

Warum das Update vom Merkblatt? Vor dem aktualisierten Merkblatt 740, gab es bei den vier großen Prüfstellen TÜV Süd, TÜV Nord, TÜV Rheinland und DEKRA oft uneinheitliche Vorgehensweisen bei der Abnahme von Wohnmobil Erstzulassungen. Das soll nun jetzt 2022 mit dem Update aufhören und einheitlich werden und auch für Dich die Zulassung übersichtlicher machen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wohnmobilzulassung bei TÜV oder DEKRA

Ich habe mich vor und nach meinem Ausbau beim TÜV SÜD vorgestellt. So konnte ich durch ein Vorgespräch sehr viele Informationen erhalten, die mir die Ummeldung deutlich erleichterten. Für eine erfolgreiche Wohnmobilzulassung werden folgende Dinge auf Funktion und Vorhandensein im Fahrzeug kontrolliert.

Die Wohnmobil-Mindestausstattungen sind:

  • Sitzgelegenheit (Sitz)
  • Tisch, der auch klappbar und entfernbar sein darf.
  • Eine Schlafgelegenheit, wozu auch ein Sitz gilt, der zu einem Bett umgebaut werden kann
  • Kochstelle in Form eines Kochers, der fest im Camper eingebaut sein muss.
  • Unterbringungsmöglichkeiten in Form von Schränken und Stauraum. Schranktüren müssen zudem gegen selbstständiges Öffnen gesichert sein, sodass diese sich bei der Fahrt nicht von allein öffnen.

Diese Einrichtungen sind fest im Wohnbereich zu installieren. Ausnahme ist der Tisch, der so verbaut sein darf, dass dieser sich leicht entfernen und verstauen lässt. Eine Stehhöhe im Fahrzeug wird nicht für die Zulassung gefordert. Somit liebe Grüße an alle Vans und Mikrocamper.

Hinweis: Ein Dachzelt zählt übrigens nicht als Schlafgelegenheit für eine erfolgreiche Wohnmobilzulassung, wenn Du nicht noch zusätzlich im Fahrzeug eine Schlafmöglichkeit hast.

Wohnmobil Ummeldung beim TÜV

Ist bei Dir alles fest verbaut im Camper?

Der Ausbau muss so ausgeführt sein, dass auch bei einem Unfall ein möglich geringes Verletzungsrisiko von Deiner Einrichtung ausgeht. Das trifft vorrangig dort zu, wo Personen im Wohnbereich auch bei der Fahrt sitzen dürfen. Gleiches gilt für eine durchgeführte Gefahrenbremsung. Hier sollte so wenig wie möglich, am besten nichts, durch die Gegend fliegen. Magnetblöcke oder Ähnliches, wo Küchenutensilien oder sogar Messer anhaften, sind nicht geeignet für ein Wohnmobil und Campingbusse.

Aufbaurichtlinien und die Gewichtsverteilung im Wohnmobil

Beim Camper Ausbau sind die Aufbaurichtlinien des Herstellers Deines Fahrzeugfabrikates ebenfalls zu beachten. Auch Schwerpunktverlagerungen im Fahrzeug, die durch den Ausbau zustande kommen, müssen berücksichtigt werden.

Grundsätzlich gilt deshalb, dass Du beim Camper Ausbau auf eine möglich gleichmäßige Gewichtsverteilung im Fahrzeug achtest. Also übertrieben gesagt, große schwere Aufbaubatterien, Möbel und noch Wassertanks auf eine Seite im Fahrzeug, sind in diesem Fall ungeeignet in puncto Gewichtsverteilung. Auch was das Fahr- und Bremsverhalten vom Fahrzeug angeht, kann durch falsche Lastverteilung Probleme entstehen. Also alles sauber verteilen für Deine Sicherheit und Sicherheit gefällt wiederum auch dem TÜV.

Entfernen der Trennwand im Camper zwischen Fahrer- und Wohnbereich

Du planst das Entfernen der Trennwand zwischen dem Laderaum und der Fahrerkabine? Dann solltest Du Dich ebenfalls mit den Aufbaurichtlinien von Deinem Fahrzeug beschäftigen. Denn der Ausbau der Trennwand könnte eine erhebliche Änderung vom Fahrzeugaufbau sein. Dass der TÜV hier wirklich darauf achtet, bestätigen auch Leser, wo der TÜV mit dem Ausbau der Trennwand nicht zufrieden war und hier noch zusätzliche Verstrebungen zur Stabilität eingesetzt werden mussten.

Kurz gesagt: Du musst rausfinden, ob Deine Trennwand ein tragendes und für den Fahrzeugaufbau wichtiges Fahrzeugteil ist oder nicht. Informiere Dich bitte, bevor Du etwas Größeres aus Deinem Fahrzeug entfernst. Es könnte sein, dass Du zusätzliche Stützen oder Ähnliches als Ersatz für die Trennwand anbringen musst. Das kommt jedoch ganz auf Deinen Fahrzeugtyp mit der jeweiligen Aufbaurichtlinie an.

Wichtiger Hinweis: Laut TÜV und meinen Erfahrungswerten stellt der Einbau von Dachluken und Fenstern kein Problem dar. Ebenso Veränderungen an nichttragenden Verkleidungsblechen.

TÜV benötigt neues Leergewicht und Mindestnutzlast für die Wohnmobilzulassung

Der TÜV benötigt von Dir nach einem Selbstausbau die neue Leermasse von Deinem Camper. Ebenso gibt es jetzt neu eine sogenannte Mindestnutzlast, die Du als Puffer haben musst. Erste erfolgreiche Berichte zu Wohnmobilzulassungen bestätigten mir, dass diese wirklich benötigt wird. Um das Ganze besser zu verstehen, besprechen wir kurz folgende Begrifflichkeiten:

  • Zulässige Gesamtmasse
  • Leermasse
  • Nutzlastanteil und Mindestnutzlast

Zulässige Gesamtmasse

Dein Fahrzeug hat eine zulässige Gesamtmasse, die unter keinen Umständen überschritten werden darf. Die zulässige Gesamtmasse von Deinem Fahrzeug findest Du in der Zulassung unter Punkt F.1. Bei mir sind das zum Beispiel 3000 kg, was 3 Tonnen entspricht.

Leermasse

Die Leermasse kannst Du erst nach dem fertigen Ausbau ermitteln. Diese ist für Dich und den TÜV wichtig und wird für eine erfolgreiche Wohnmobil-Ummeldung benötigt. Werkstoffhöfe oder Mülldeponien haben entsprechende Fahrzeug- und Lkw-Wagen, wo Du gegen eine kleine Gebühr Dein neues Leergewicht nach dem Ausbau ermitteln kannst. Bei mir sind das nach dem Selbstausbau 2600 kg (2,6 Tonnen). In der Zulassung findest Du Deine Leermasse unter Punkt G.

Zur Leermasse zählen alle fest eingebauten Einrichtungen wie Bett, Möbel, Sitze, Kühlschrank, Warmwasserboiler, Waschbecken, Wassertanks usw. Zusätzlich wird ein Fahrer mit einer Pauschale von 75 kg dazugerechnet.

Wichtiger Hinweis: Frischwasser- und Flüssiggastanks müssen mit den vom Hersteller angegebenen Füllmengen beim Wiegen gefüllt sein.

Nutzlastanteil und Mindestnutzlast

Die Nutzlast ergibt sich, wenn Du die zulässige Gesamtmasse minus Leermasse rechnest. In meinem Beispiel sind das:

3000 kg zulässige Gesamtmasse – 2600 kg Leermasse = 400 kg Nutzlastanteil

Das heißt, ich kann meinen Camper mit noch 400 kg Ausrüstung, Essen und sonstige Freizeit und Sportgeräten beladen, bis ich die zulässige Gesamtmasse erreiche. Aber wie schon erwähnt, auf keinen Fall diese überschreiten …nicht mal ein einziges kg!

Du benötigst eine Mindestnutzlast für die erfolgreiche Wohnmobilzulassung

Um die Wohnmobilzulassung erfolgreich zu schaffen, gibt es jetzt, wie eben erwähnt, eine sogenannte Mindestnutzlast, die Du als Puffer erreichen musst.

Was bedeutet das genau? Der TÜV will höchstwahrscheinlich damit sicherstellen, dass Du mit Deinem Ausbau, nicht bis ans Limit der zulässigen Gesamtmasse Deines Fahrzeugs ausbaust. Denn wenn Du bis an Deine zulässige Gesamtmasse ausbauen würdest, hättest Du überhaupt keinen Puffer mehr für Zuladungen, wie Gepäck, Ausrüstung, Fahrräder und andere Reisende. Daher wird jetzt die Mindestnutzlast benötigt.

Wie wird die Mindestnutzlast errechnet?

Der TÜV gibt dafür eine Formel vor:

PM [kg] ≥ 10 * (n + L)

  • PM = Mindestnutzlast in kg
  • n = die maximale zulässige Höchstzahl an Fahrgästen + Fahrer (die eingetragene Anzahl an Sitzplätzen)
  • L = die Gesamtlänge von Deinem Fahrzeug in Metern. Diese steht in der Zulassung unter Punkt 18 und ist in Millimetern angegeben. Also noch in Metern für die Formel umrechnen.

Für mein Campingbus-Beispiel bedeutet das:

PM (Mindestnutzlast) = 10 * (3 Sitzplätze + 5,4 m Fahrzeuglänge) = 84 kg

3000 kg zulässige Gesamtmasse minus 84 kg Reserve = 2916 kg

Das heißt jetzt also in meinem Fall, dass mein Leergewicht vom Camper nicht mehr wie 2916 kg wiegen darf, weil ich ja, wie oben ausgerechnet, 84 kg Mindestnutzlast zur Verfügung haben muss. Zum Glück habe ich sowieso 2600 kg Leergewicht, so ist der Puffer umso größer. Setzte einfach Deine Zahlen in die Formel und überprüfe, ob Du die geforderte Mindestnutzlast als Puffer erreichst.

Fenster- und Dachluken-Einbau in den Camper nach TÜV Vorgaben

Ich bekomme immer wieder Anfragen zur benötigten Anzahl von Fenstern in einem Camper. Die Prüfstellen geben hier keine Anzahl an Fenstern vor und es wird auch keine Rundumverglasung gefordert. Es gibt hier nur eine Empfehlung, dass Licht aus verschiedenen Seiten in den Wohnbereich einfallen soll. Das ist aber, wie zuvor erwähnt, nur eine Empfehlung.

Wenn Du also nur ein kleines Fenster einbaust oder lediglich eine Dachluke für Frischluft, dann reicht das für die Wohnmobil Ummeldung vollkommen aus. Ich persönlich kann Dir den Einbau einer Dachluke in Deinen Van nur empfehlen. Diese sorgt für angenehme kühle Luft im Sommer und ist ein toller Abzug für schlechte Luft oder wie beim Kochen mit viel Dampf. Zudem hilft Dir eine Dachluke mit Zwangsbelüftung beim nächsten Punkt, wo es um die Belüftung im Wohnmobil geht.

Dachhaube / Dachluke in den Camper selber einbauen

Einbauanleitung für die Dachluke beim Camper Selbstausbau

Wichtiger Hinweis: Dachluken und Fenster müssen jedoch ein gültiges Genehmigungszeichen haben. Zudem darfst Du sie nur dort in Deinem Camper einbauen, wofür sie auch vom Hersteller bestimmt sind. Sprich: Heckfenster am Heck, Seitenfenster an den Seiten und Dachluke im Fahrzeugdach.

Die richtige Belüftung im Wohnmobil und Camper?

Das TÜV Merkblatt „MB FZMO 0740“ vom 19.01.2022 schreibt vor, ich zitiere: „Der bewohnbare Raum muss mit einer Sicherheitslüftung (DIN EN 721) versehen sein. Hierbei handelt es sich um Lüftungsöffnungen die für Zu- und Abluft unabhängig von Fenstern und Türen sorgen.“

Was bedeutet das jetzt für uns Camper und Camper-Ausbauer? Ganz einfach, wir dürfen wieder zusätzliche Löcher in unsere Fahrzeugkarosserie schneiden. Klingt erst mal blöd, ist es natürlich auch für die Karosserie. Doch der Sinn dahinter finde ich persönlich gerechtfertigt.

Ich persönlich halte eine gute Belüftung im Camper ebenfalls für notwendig. Besonders bei schlechtem Wetter und der kälteren Jahreszeit kann der Kohlendioxidgehalt in kleineren Fahrzeug rasch ansteigen. Dann sind Kopfschmerzen, Übelkeit oder andere körperliche Probleme oft die Folge.

Belüftungseinrichtungen in Fahrzeugen sind vorrangig dann wichtig, wenn in diesen mit Verbrennungsgeräten, die keinen direkten Abzug nach draußen besitzen, gearbeitet wird. Sprich, Kocher mit offenen Flammen wie Spiritus- und Gaskocher. Ebenso Geräte, die mit Gas betrieben werden, wie etwa eine Gasheizung oder ein Gaskühlschrank, wobei hier eigentlich in diesem Fall immer eine direkte Abluft-Möglichkeit nach draußen mit verbaut werden sollte.

Vorteil für Dachluken mit Zwangsbelüftung

Für einen ausreichenden Durchzug von Frischluft sind zwei Einbauorte von Belüftungen nötig. Einmal eine Lüftungseinrichtung im Dach vom Fahrzeug und einmal im unteren Bereich an der Seitenwand nähe Fußboden. Da Fenster, Türen und Dachluken nicht dazu zählen, muss also in die untere Seitenwand auf jeden Fall eine Sicherheitslüftung eingebaut werden.

Bei der Dachbelüftung, kann Dir jetzt der Einbau einer Dachluke mit Zwangsbelüftung zum Vorteil werden, denn diese bringt auch im geschlossenen Zustand Frischluft in Deinen Camper. In diesem Fall ist die Sicherheitslüftung für das Dach erfolgreich abgeschlossen! Hat Deine Dachluke keine Zwangsbelüftung, dann musst Du zusätzlich einen Lüfter in die Decke einbauen.

Ab sofort muss jetzt auch ein Warnhinweis an offenen Kochstellen angebracht werden, wo auf die ausreichende Belüftung hingewiesen wird. Das schauen wir uns jetzt im nächsten Abschnitt gleich mal genauer an.

Notwendiger Warnhinweis-Aufkleber für offene Kochstellen

Du kochst mit einem Gaskocher im Camper? Egal, ob mit Gaskartusche oder Gasflasche! Du kochst mit einem Spirituskocher im Fahrzeug? Dann trifft es Dich genauso wie die Gaskocher. Ab sofort muss an diesen offenen Kochstellen ein Warnhinweis-Aufkleber* angebracht werden.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, wo genau der Aufkleber an Deine Kochstelle im Camper geklebt werden soll, dann ist das kein Problem. Nimm ihn einfach mit zur TÜV Stelle und klebe gemeinsam mit dem Sachverständigen den Aufkleber auf. Er wird Dir zeigen, wo er ihn für am besten geeignet hält und somit hättest Du diesen Punkt schon sauber abgehakt.

Ein Kocher für die Wohnmobil-Zulassung

Das Finden eines geeigneten Kochers für die Wohnmobil Ummeldung, ist wohl eines der größten Hindernisse für die erfolgreiche Wohnmobil-Zulassung. Auch mich hat dieses Thema viele Nächte an Recherchen gekostet. Ich konnte zum Glück noch einen Spirituskocher Origo von Dometic ergattern, bevor die Produktion komplett eingestellt wurde. Für Dich gibt es aber zum Glück auch noch andere Lösungen.

Jedoch gibt es einiges beim Kocher im Camper zu beachten. Denn, Du kannst nicht einfach irgend einen Camping-Kocher in Deinen Camper einbauen. Folgende Kochmöglichkeiten sind für einen Camper Ausbau möglich:

  • Spirituskocher
  • Gasbetriebene Kocher mit Gasanlage oder Gaskartusche
  • Elektrische Kochplatten wie ein Induktionsfeld
  • Dieselkocher

Alle Kocher müssen in Deinem Fahrzeug fest verbaut sein!

Ziehst Du Deine Kochstelle auf einen Heckauszug (Heckbereich) oder Seitenauszug (Seitentüre) nach draußen, musst Du diesen Auszug arretieren können, damit der Auszug sich nicht von allein bei brennendem Kocher wieder schließt. Rechne damit, dass der Sachverständige genau dies prüfen wird, ob der Auszug arretierbar ist.

Gas im Wohnmobil und TÜV für Zulassung

Spirituskocher

Diese müssen lediglich für Innenräume geeignet sein. Leider gibt es aktuell keinen vernünftigen Spirituskocher am Markt, was ich sehr bedaure. Für mich ist der Spirituskocher die beste Alternative zu Gas, denn der Brennstoff Spiritus ist so gut wie überall auf der Welt zu bekommen. Der wohl beste Spirituskocher war der Origo von Dometic, der aktuell nicht mehr hergestellt wird. Er war für Innenräume zugelassen und wurde vom TÜV als Camper-Kocher akzeptiert.

Der Spirituskocher läuft bei uns seit vielen Jahren zuverlässig im Dauerbetrieb auf Tour. Wir sind von dem Teil unglaublich begeistert. Auch bei einem Stromausfall für die eigenen vier Wände finden wir es eine tolle Backup-Lösung.

Es ist jedoch immer wieder möglich den Spirituskocher Origo 3000 und 1500* bei Ebay gebraucht zu ergattern. Auch wenn die Preise manchmal etwas übertrieben sind.

Spirituskocher Origo von Dometic
Der Spirituskocher im Einsatz am Walchensee in Bayern.

Vorsicht! Es gibt einen alternativen Kocher zum Dometic Origo 3000, der sowohl optisch als auch bautechnisch dem Origo sehr ähnelt. Der Nachbau ist offiziell NICHT für den Einbau in Kraftfahrzeuge geeignet! Ausschnitt von der Produktbeschreibung des Nachbaus: Der Kocher darf nicht in Kraftfahrzeuge eingebaut werden, die im öffentlichen Straßenverkehr betrieben werden.

Diesen Textabschnitt werden wohl auch die meisten Prüfer wissen. Dieser Kocher ist super und funktioniert genau wie der Origo, leider ist dieser aber nicht geeignet für die Wohnmobilzulassung.

Gasbetriebene Kocher mit Gasanlage

Die Koch- und Backgeräte müssen für Innenräume geeignet sein. Die komplette Gasanlage muss fest verbaut sein und nach G 607 geprüft werden. Somit wird ein ordnungsgemäßer Einbau sichergestellt. Informationen für den sachgerechten Einbau bekommst Du in der DIN EN 1949.

Du hast eine Gasanlage im Camper? Dann denk an die Kennzeichnung der Flüssiggasanlage. Laut TÜV Merkblatt MB FZMO 0740 vom 19.01.2022, müssen Flüssiggasanlagen, die nicht während der Fahrt betrieben werden dürfen, entsprechend gekennzeichnet werden. Solch einen Aufkleber für die Kennzeichnung der Flüssiggasanlage*, kannst Du gemeinsam mit dem Sachverständigen aufkleben. Dann weißt Du, dass er an der richtigen Position sitzt.

Ein Aufkleber für die Kennzeichnung der Flüssiggasanlage

Kocher mit Gaskartusche

Wenn der Gaskartuschenkocher für Fahrzeuginnenräume freigegeben ist, darf dieser auch im Fahrzeug verwendet werden und ist für eine Wohnmobilzulassung geeignet. Ist der Gaskartuschenkocher jedoch nicht für den Innenraum im Fahrzeug geeignet, darfst Du den Kocher im Camper trotzdem verbauen, ABER UNTER FOLGENDER VORAUSSETZUNG …

Ich zitiere vom Merkblatt 0740 vom 19.01.2022 zu den Gaskartuschenkochern ohne Innenzulassung: „dürfen nur im ausgezogenen oder ausgeklappten Zustand außerhalb des Fahrzeuges und bei geöffneter Fahrzeugtür/Heckklappe betrieben werden“.

Du kannst also so einen Kocher mit Gaskartuschen einbauen, wenn Du am Ende damit nur kochen kannst, wenn Tür oder Heckklappe geöffnet sind.

WICHTIGER HINWEIS: Für die Kocher mit Gaskartusche gilt zudem, egal ob diese für Innenräume geeignet sind oder nicht, dass Gaskartusche und Kocher während der Fahrt getrennt gelagert sind. Du musst also die Gaskartusche für die Fahrt immer ausbauen.

Jetzt kommt aber noch mal ein großes ABER zu den Gaskartuschenkochern im Camper! Der TÜV sagt, dass es im Fahrzeuginnenraum, besonders im Hochsommer, mal schnell Temperaturen von 50 °C oder mehr geben kann. Da stimme ich dem TÜV vollkommen zu. Was hat das mit der Zulassung zu tun? Ganz einfach, laut den Herstellern von Gaskartuschen sind diese nur für eine Benutzung bis 50 °C geeignet.

Das könnte also zu einem Problem werden, wenn Du mit einem Gaskartuschenkocher zum TÜV fährst für eine Wohnmobil Ummeldung. Rechne damit, dass Du darauf angesprochen wirst. Meine Erfahrung ist, dass es im Camper tatsächlich im Hochsommer unangenehm heiß werden kann. Aber nur nähe Decke und in der mittleren Höhe vom Fahrzeug. Am Camper-Fußboden sind 50 °C eher unwahrscheinlich. Zumindest hatte ich das noch nie, da wir selbst einige Lebensmittel am Boden lagern. Wenn also am Boden Dein fester Lagerplatz für Gaskartuschen ist, sorgst Du in meinen Augen für eine fachgerechte Lagerung der Gaskartuschen unter 50 °C.

Der Gaskartuschen-Kocher* von Bright Spark hat sich nach vielen Erfahrungsberichten als gute Möglichkeit gezeigt für eine erfolgreiche Wohnmobilzulassung. Eine Garantie kann ich Dir dafür natürlich nicht geben, das liegt immer an den Prüfstellen und dem Prüfer.

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Gaskartuschenkocher von Bright Spark

Elektrische Kochplatten

Bei einer Elektro-Kochplatte ist es wichtig, dass diese eine CE-Kennzeichnung besitzt und dass die Elektro-Installation nach VDE Anforderung eingebaut wurde. In der DIN VDE 0100-721 findest Du dafür die Vorgaben. Nach dem Dieselkocher gehe ich noch kurz auf die Elektro-Installation in Wohnmobilen ein und was der TÜV für diese verlangt.

Dieselkocher

Sie sind eine fantastische Alternative zu Elektro-, Gas- und Spirituskochern. Sie besitzen keine offene Flamme und erzeugen somit keine Geruchsbelästigung und kein zusätzliches Kohlendioxid im Innenraum vom Camper. Du musst beim Einbau jedoch genau die Vorschriften vom Hersteller beachten für die Ansaugluft-, Abgasführung und Kraftstoffversorgung.

Die Elektro-Installation nach VDE im Camper und was der TÜV dazu sagt

Die Elektro-Installation im Camper muss nach VDE-Vorschrift aufgebaut sein. Da führt kein Weg vorbei. Genaue Anweisungen dazu findest Du in der DIN VDE 0100 – 721.

Wohnmobil Elektrik nach VDE für TÜV

Eine Besonderheit und wahrscheinlich für viele eine Erleichterung habe ich aus dem Merkblatt 740 vom TÜV trotzdem herausgelesen. War vorher noch der Anschein und auch die Vorgabe einiger TÜV Prüfer, dass die Elektro-Anlage im Camper eine VDE Bestätigung einer Elektrofachkraft benötigt, stimmt das jetzt so nicht mehr. Erste Erfahrungsberichte bestätigen dies ebenfalls.

Um meine Vermutung und Erfahrung zu bestätigen, zitiere ich dazu aus dem Merkblatt MB FZMO 0740 vom 19. Januar 2022: „Die straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften nehmen keinen direkten Bezug auf die Einhaltungen der DIN VDE-Vorgaben. Die Vorlage einer Bestätigung der Einhaltung der DIN VDE 0100-721 durch einen Elektrofachbetrieb kann nicht gefordert werden“.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird jetzt der eine oder andere sich über diese Nachricht freuen. Jedoch solltest Du dies nicht als Anlass nehmen und auf die Sicherheit der Elektro-Installation im Camper zu vernachlässigen. Es bleibt die Anforderung vom TÜV, dass die Elektro-Installation in Deinem Camper nach VDE Vorschrift erfolgen muss. Was nicht gefordert ist, ist die Bestätigung eines Elektrofachbetriebes.

Standheizung TÜV gerecht im Fahrzeug nachrüsten

Bei einem DIY Einbau der Standheizung, achte darauf, dass dies nach der Einbauanweisung geschieht. Zudem sind nur Standheizungen akzeptiert, die ein Prüfzeichen haben. Das bedeutet, baust Du eine Standheizung ein, die kein Prüfzeichen besitzt, wirst Du auch keine Wohnmobilzulassung bekommen oder sogar im schlimmsten Fall, aus dem Verkehr gezogen. Als Standheizung hat sich besonders für den Selbsteinbau die Air 2D Diesel Standheizung* von Autoterm bewährt. Günstig, mit Prüfzeichen und extrem zuverlässig.

Eingebaute Drehkonsole vom TÜV begutachten lassen?

Die von uns eingebaute Drehkonsole für den Doppelsitz im VW Bus habe ich in die Fahrzeugpapiere eintragen lassen! Der Prüfer wollte  kurz die Funktion vorgeführt bekommen, sowie die Einsicht in die Unterlagen zur Drehkonsole. Der Einbau erfolge genau nach Anweisung des Herstellers. Damit gab es keine Probleme mit der Eintragung.

Hinweisaufkleber für Sitze im Camper

Ein weiterer neuer Aufkleber betrifft Sitzgelegenheiten im Wohnbereich, die bei der Fahrt nicht benutzt werden dürfen. Damit sind Sitze gemeint, die nicht in der Zulassung eingetragen sind und somit keinen Gurt und weitere Sicherheitsbedingungen erfüllen, damit diese während der Fahrt als Sitz verwendet werden dürfen. Diese Sitzgelegenheiten müssen nun mit einem Hinweisaufkleber* gekennzeichnet werden.

Hinweisaufkleber: Sitz während der Fahrt nicht benutzen

Flexibler Camper / Pkw durch ausbaubare Camper-Einrichtung?

Falls Dein Plan ist, Deine Camper-Einrichtung flexibel zuhalten, mit herausnehmbaren Möbeln und Bett, bekommst Du in diesem Fall keine Wohnmobilzulassung. In diesem Fall bleibt die ursprüngliche Fahrzeugart erhalten. Die Ummeldung zum Wohnmobil ist in diesem Fall nicht möglich.

Was kostet die Wohnmobilzulassung beim TÜV?

Gezahlt habe ich 2019 bei meiner Erstzulassung insgesamt 98,32 € beim TÜV SÜD. Die Wohnmobilzulassung hat 49,16 € gekostet und die Eintragung von der Drehkonsole ebenfalls 49,16 €.

Welche Ersparnisse hatte ich durch die Wohnmobilzulassung bei Versicherung und Steuern?

Pro Jahr bei Haftpflicht und Teilkasko an unserem Beispiel bei 18.000 Kilometer im Jahr:

Versicherung vorher: 800 €

Versicherung neu: 425 €

Ersparnis: 375 €

Steuern vorher: 401 €

Steuer neu: 290 €

Ersparnis: 111 €

Gesamtersparnis pro Jahr nach Wohnmobil Ummeldung: 486 €

Deine Kostenersparnis ist natürlich abhängig von Deiner Versicherung. Du kannst Deine Versicherung unverbindlich im Vorfeld kontaktieren und Dir somit Deine neuen Beiträge für ein Wohnmobil ausrechnen lassen.

Die Wohnmobilzulassung erfolgreich schaffen

Mein Fazit zur Wohnmobilzulassung

Wenn Du Dich nach den Vorgaben richtest, geht es einfacher als Du denkst. Im Grunde sind die Vorgaben genau das, was Du auch gerne in Deinem Camper hättest. Ein Bett, Schränke, Tisch und was zum Kochen. Bei Problemen oder Fragen hilft es, den Kontakt zum TÜV zu suchen.

Deswegen ist auch in meinen Augen das wichtigste, der Kontakt zum TÜV schon vor der Ummeldung zum Wohnmobil. Spreche mit den Sachverständigen über Dein Projekt. Dann bist Du auf der sicheren Seite. Zudem kennt man Dich dann und weiß, dass Du Dich informiert hast und Interesse gezeigt hast. Das gibt in fast allen Lebenslagen Pluspunkte.

Falls Dir nach diesem Artikel immer noch zu viele Fragen in Deinem Kopf umherschwirren, wofür Du keine Antwort findest, kannst Du den Kontakt zu Deiner TÜV Prüfstelle suchen. Im TÜV Merkblatt: Anforderungen an Sonstiges Kraftfahrzeug – Wohnmobil (MB FZMO 0740:2022-01-19) findest Du alle detaillierteren Angaben für die Wohnmobil Ummeldung nach einem Camper Ausbau. Dort ist genau aufgeführt, was der TÜV für Vorstellungen von einem straßensicheren Wohnmobil /Camper hat.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit den Informationen weiterhelfen, um Deinem großen Ziel deutlich näherzukommen. Viel Erfolg bei Deiner Wohnmobilzulassung!

Video über die Wohnmobil Ummeldung

Weniger Lesen, mehr Hören… Viel Spaß!

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