Die Westküste von Dänemark: Skandinavien-Baltikum-Tour 4

Die Westküste von Dänemark: Skandinavien-Baltikum-Tour 4

8. Juni 2019 0 Von Björn Hofmann
Route an der Westküste Dänemarks
© OpenStreetMap contributors, Lyrk

Wind, viel Wind und zur Abwechslung sehr viel Wind

Mitteljütland empfing uns sehr stürmisch. Wir standen an einer Klippe an der Westküste mit toller Aussicht. Neben uns eine alte kleine Kirche, ansonsten nichts.  Trotzdem wurde es zu einer sehr unruhigen Nacht, denn der Wind schaukelte ordentlich unseren Camper wie einen Schaukelstuhl hin und her. Der Wind kroch in alle Ritzen und Ecken und erzeugte dabei das unangenehme laute pfeifende Geräusch. An Schlaf ohne Ohropax war für mich nicht zu denken. 

Am Morgen war immer noch das gleiche Spiel im Gange, der Wind blies was das Zeug hielt! Nur mal kurz die Heckklappe am Bus geöffnet, schon war im inneren alles neu sortiert… natürlich nicht nach unseren Vorstellungen. Abwaschen, kochen, alles spielte sich wieder im Bus ab, anstatt draußen, trotz Sonnenschein.

„Abenteuer sind anstrengend aber auch toll, von Erholung war jedoch nie die Rede.“

Das Leben im Camper auf unserer Reise durch den Norden Europas.
Bei schlechtem Wetter, spielte sich alles auf engen Raum im Bus ab
Mit dem Camper an der Westküste Dänemarks. Tolle Schlafplätze.
Dafür war die Aussicht nach draußen oft direkt aufs Meer
Sonnenuntergang an der Westküste Dänemarks vom Camper aus. Schlafplatz.
…und zum Sonnenuntergang

Nationalpark Thy an der Westküste von Dänemark

Zwischen Dünen, kleinen Wäldern aus Kiefern und Tannen, wanderten wir in der Region um den schönen Leuchtturm „Lodbjerg Fyr“. Dieser liegt im Nationalpark Thy. Beim einsetzenden Sonnenuntergang gab der Leuchtturm ein typisches Postkartenbild ab. Wunderschön! In dessen Nähe entdeckten wir einen schönen Lagerplatz, hergerichtet mit Feuerstelle, Feuerholz und Axt zur Selbstbedienung mit einer coolen winzigen Biwak Hütte für ca. 4 Personen, die im Blockhausstil gebaut war.

Mir sprang sofort der Gedanke durch den Kopf, hier am liebsten eine Nacht verbringen zu wollen. Am Leuchtturm hatten wir Park-Ranger gesehen und erkundeten uns nach diesem Platz.

An der Küste des Nationalparks Thy an der Westküste von Dänemark
An der Küste des Nationalparks Thy

Der Thy Nationalpark hat schöne kostenlose Camping- und Biwakplätze

Es gibt mehrere dieser schön angelegten Biwak- und Campingplätze im gesamten Thy Nationalpark verstreut. Diese dürfen kostenlos und ohne Anmeldung benutzt werden. Jedoch sollte man nicht länger als zwei Tage an einem Platz verbringen. Somit ist der Thy Nationalpark ein cooler Spot zum Wandern und Trekking, den ich mir auf meine Wunschliste gesetzt habe.

Wir ergriffen die Chance! Am VW Bus wieder angekommen, stopften wir hastig unsere Campingausrüstung in unsere Rucksäcke zusammen. Kurz darauf konnten wir mit Feuer aufgekochten Wasser duschen, eine leckere Mahlzeit zubereiten und uns am wärmenden Feuer erfreuen.

„Dein Auto können sie dir wegnehmen, Deine Erinnerungen nicht!“

Kostenloser Biwakplatz im Thy Nationalpark an der Westküste von Dänemark
Biwakplatz im Thy Nationalpark

Agger Tange  und Harboor Tange

Von Norden kommend in Richtung Süden auf der Agger Tange entlang, befindet sich auf dieser Landzunge rechts die Nordsee und auf der linken Seite der Krik Vig. Auf einem langen endlos wirkenden kleinen Steifen verläuft die Straße weiter nach Süden bis zu einer Fährverbindung. Die Fähre bringt einen auf die andere Seite zur Harboore Tang.

Die endlos wirkende Straße auf der Agger Tange an der Westküste von Dänemark
Die endlos wirkende Straße auf der Agger Tange

Surferspots Norre Vorupor und Klitmoller

In Klitmoller, auch „Cold Hawaii“ genannt, sind wir Mitte Mai nicht mehr so alleine. Wir waren es bis jetzt gewohnt, auf ruhigen leeren Straßen im Landesinneren am Limfjorden oder an der Küste der Nordsee entlang unterwegs zu sein. Daher waren für uns die zwei Spots, die bei Surfern und Kitern beliebt sind, erst einmal eine neue Umstellung auf „viele Menschen“. Vor allem Nummernschilder aus der BRD waren auf den vollen Parkplätzen zu erkennen. Wir hielten uns in den Orten nicht lange auf, da wir mehr an Ruhe und einsame Natur interessiert waren. Zum Glück hat Dänemark davon sehr viel zu bieten, zumindest im Mai. Wie es bei unseren Nachbarn im Hochsommer aussieht, kann ich leider nicht sagen.

Entspannen in den Jammerbugten

In der Jammerbugt ließen sich zahlreiche einsame Stellen zum Freistehen mit dem Camper finden. Verbotsschilder waren weit und breit nicht zu sehen. Hier fühlten wir uns  versteckt zwischen den Dünnen nahe am Meer sehr wohl. Es wurde vernünftiger weiße darauf hingewiesen, die Natur zu respektieren und sauber zu hinterlassen. So sammelten wir auch fremden Müll an unserem aktuellen Standplatz gleich mit ein, um das Bild der Camper bei den Dänen zu verbessern. Denn die Dänen mögen die vielen Camper  nicht immer wirklich. Aber wer mag schon Massentourismus. Aber hier wird wohl jeder Däne seine eigene Meinung haben.

Mit dem Auto oder Camper auf den Strand fahren in Dänemark.
Mit dem Auto auf dem Strand fahren ist in Dänemark oft möglich und erlaubt

Weniger Zeit trotz mehr Zeit

Die Zeit rennt, auch wenn wir aus dem „normalen“ Leben auf Zeit ausgestiegen sind. Trotzdem haben wir oft das Gefühl, das die Zeit nicht reicht. Das Leben ist jetzt einfacher, aber auch langsamer. Aufstehen, Lüften, Bett verstauen, Frühstücken und abwaschen, schon ist es 12 Uhr mittags. Es gab wenige Tage, wo wir einmal vor 12 Uhr von unseren Schlafplätzen losgefahren sind. Es stört uns nicht, nur erstaunt es uns doch immer wieder, wie klein das Zeitempfinden zwischen Bett abbauen und Bett wiederaufbauen beträgt. Somit brauchen wir einen kompletten Tag alleine, wenn noch zusätzlich die Wäsche waschen und den Bus putzen.

„Das einfache Leben entschleunigt uns, doch die Zeit rennt genauso schnell, wie im Berufsleben.“

Frei stehen in den Jammerbugten an der Westküste von Dänemark
Unser kleines Camp

Rubjerg Knude, eine der größten Wanderdüne Europas

Es war gerade gegen 20 Uhr, als wir einen kleinen einfachen Parkplatz ansteuerten, um dort die Nacht zu verbringen. Beim Ansteuern entdeckten wir in der Ferne Richtung Nordsee einen für Dänemark ziemlich großen gelb schimmernden Berg. Was wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wussten, es war die Rubjerg Knude, eine der größten Wanderdüne Europas. Mich und Justyna zog dieser riesige Sandberg magisch an. Ob wohl wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatten und eigentlich, auch ziemlich müde waren, wollten wir kurz die circa 800 m bis zum Fuße der Düne laufen. Als wir am besagten Fuße ankamen, wollten wir jetzt auch noch hochklettern. >>Ok, bloß noch so hoch, bis wir das Meer sehen. <<.

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Als wir das Meer in dieser durch die Abendsonne angestrahlten Kulisse sahen, zeigte sich in dieser wüstenartigen Region in circa 1,6 Kilometern Entfernung der Leuchtturm Rubjerg. Wie ein Wächter ragte er am Horizont auf und brachte unsere Augen zum Leuchten.

Rubjerg Knude, eine der größten Wanderdüne Europas an der Westküste von Dänemark
Rubjerg Knude, eine der größten Wanderdüne Europas an der Westküste von Dänemarks

Leuchtturm Rubjerg

Die Atmosphäre an diesem Abend kann man nur schwer in Worte fassen. Sie brannte sich zu unserer Freunde aber tief in unsere Köpfe ein und trotz der späten Abendstunde, entschieden wir uns glücklicherweise für diese großartige Dünen-Wanderung. Wir liefen weiter bis zum Leuchtturm Rubjerg. Auf dem Weg sandigen Weg warf der Leuchtturm sich immer wieder für unsere Fotolinse in Schale und wir wussten nicht, ob wir wandern oder das hundertste Foto schießen sollten.

Der Leuchtturm konnte kostenlos bestiegen werden. Aus Berichten, die ich später las, erfuhr ich, dass dieser Leuchtturm nicht immer zu begehen war, da die Wanderdüne diesen mit ihrem Sand zum Teil begrub. Im Mai 2019 war Rubjerg Fyr frei und wir hatten an diesem Abend für unser Empfinden alles richtig gemacht und genossen den Sonnenuntergang. Am Nächsten Morgen stürmte und regnete es und die Sicht war grausam.

Leuchtturm Rubjerg an der Westküste von Dänemark
Leuchtturm Rubjerg an der Westküste von Dänemark

Nordspitze Dänemarks, Ostsee und Nordsee treffen aufeinander

Bevor wir den nördlichsten Punkt von Dänemark erreichten, fuhren wir durch Hirtshals, das Tor im Norden zum Norden. Von hieraus fahren nicht nur die Fähren nach Norwegen, nein, von hieraus geht es mit der Fähre nach Island. Leider eine sehr kostspielige Angelegenheit. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

Nördlich von Skagen liegt der nördlichste Punkt Dänemarks. Hier treffen Nordsee und die Ostsee aufeinander. Nicht wirklich spektakulär, eine kleine Landzunge, viele Touristen und ein paar Wellen. Es ist mehr der Gedanke, dass hier die zwei Meere aufeinandertreffen. Jedoch war hier absolut Schluss mit Einsamkeit.

Es war Ende Mai und der Parkplatz am Grenen war nicht nur voll, sondern auch verdammt teuer. So parkten wir am Straßenrand nach Skagen und liefen die 500 m extra, zur Freude unserer Finanzen. Wir folgten der Völkerwanderung bis zur kleinen Landzunge und schossen unser Beweisfoto und flüchteten danach wieder an einen einsamen Strand für die Nacht.

Kostenlos am Straßenrand bei Grenen geparkt, dem nördlichsten Punkt Dänemarks.
Kostenlos am Straßenrand bei Grenen geparkt
Nördlichster Punkt von Dänemark.
Justyna wandert von der Nordsee in die Ostsee. Links die Nordsee, rechts die Ostsee.

Fazit Dänemark Westküste und Norden, nach 12 Tagen

Das Freistehen in Dänemark mit unserem VW Bus war trotz der vielen Verbotsschilder kein allzu großes Problem. Es gab genügend Plätze ohne Verbote. Wir haben in den 12 Tagen Dänemark, keinen einzigen Euro für Übernachtungen ausgeben müssen. Jedoch das Einkaufen von Lebensmitteln ist deutlich teurer als in Deutschland. Was vorbildlich war, waren die vielen kostenlosen Toiletten und Parkplätze.

Wir waren sehr positiv von Dänemark überrascht. Wilde Natur, steile raue Fels- und Sandküsten gepaart mit Nationalparks zum Wandern und Campen, eine geniale Mischung. Wir werden in dieses schöne und saubere Land wiederkommen. Die Nebensaison ist wunderbar für Ruhe und Erholung, trotz Kälte und starkem Wind.

Mittlerweile sind wir mit der Fähre von Frederikshavn nach Göteborg übergesetzt und ein neuer Abschnitt beginnt für uns auf unserer Tour. Välkommen in Schweden.

Auf zum nächsten Teil der Reise: Südschweden

Mit dem Camper durch Skandinavien


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