Lappland in Finnland: Skandinavien-Baltikum-Tour 12

Lappland in Finnland: Skandinavien-Baltikum-Tour 12

25. Oktober 2019 2 Von Björn
Unsere Tour im Norden Finnlands

>>Was wollt ihr denn in Finnland? Dort gibt es doch nur Wälder und Seen! << So oder so ähnliche Reaktionen erhielten wir auf unser kundtun, dass wir noch einige Wochen in Finnland verbringen möchten, auf unserer Reise zurück nach Mittel-Europa. Es gab natürlich auch einige wenige Stimmen, die davon sprachen, dass Finnland seine ganz eigenen Reize und eine spezielle faszinierende Ausstrahlung auf einen hat. Und genau das fühlten wir auch, Finnland war vom ersten Meter spannend und aufregend für uns und wir wollten am liebsten gleich nach dem Grenzübertritt aus Norwegen an jedem See anhalten und in der herbstlichen wilden Landschaft Lapplands wandern und erkunden.

Die Samis und die Inari Region

Auf der Reise im Norden Schwedens und Norwegens, trafen wir immer wieder sporadisch auf die Spuren der Samis. Wirklich intensiv begegneten wir ihnen erst im Norden Finnlands in der Region Inari. Hier befindet sich auch der Inari See der doppetl so groß ist wie der Bodensee und sich dort mehr als 3000 Inseln im See befinden. Also ein Riesen Abenteuerspielplatz für Wasserfreunde. Da es mittlerweile für uns um die 0 Grad wurde in der Nacht und der Tag meist nicht mehr wie 5 Grad hergab, entschieden wir uns gegen Wassersport und Kanu fahren. Dafür erkundeten wir die Gegend zu Fuß. Denn um Inari gibt es unzählige sehr gut ausgeschilderte Wanderungen quer durch die einsame Wildnis Finnlands, wie zum Beispiel zur Pielpajärven Wildnis Kirche. Gerade jetzt im Herbst, spielten trotz mangelnder Sonne die Farben der Blätter, Moose und Gräßer für uns ein prächtiges Farbenspiel und ließ uns sogar die kalten Zähen und Fingerspitzen vergessen.

Wirklich viel über die Natur im Norden Lapplands und über die Samis konnten wir im Sami Museum „Sida“ in Inari lernen, sowie im kostenlosen „Skolt Sami Heritage“ Museum in Sevettijärvin. In Inari befindet sich auch das Kulturzentrum „Sajos“, was auch gleichzeitig das Parlament der Samis darstellt.

Kulturzentrum Sajos in Inari. Das Parlament der Samis. Lappland
Kulturzentrum in Inari und Parlament der Samis.

Gold-Rausch im Norden Finnlands

 Wer an Goldrausch denkt, denkt wohl zuerst an den Norden Kanadas und Alaskas um die Jahrhundertwende vom 19.Jhd. zum 20. Jhd. Doch auch in Finnland brach das Gold-Fieber aus und hält zum Teil noch bis heute an. Im 21. Jahrhundert ist es mehr Freizeit/Hobby und Wettkampf im sportlichen Sinn. Das alles konnten wir im kleinen Goldgräber Ort Tankavaara erfahren wo das Goldmuseum liegt. Hier erfährt man alles über das wertvolle glänzende Material in Finnland, wo es zu finden war und auch noch heute ist. Ein kleines „Station“ für Wettbewerbe ist hier ebenso vorhanden, wo regelmäßig jedes Jahr eine Meisterschaft im Goldsuchen ausgetragen wird.

Noch heute zieht es viele Hobby Goldgräber in die entsprechenden Regionen, wo es nur noch in Finnland möglich ist, so wie vor mehr als 120 Jahren nach Gold zu suchen. Leute bauen sich mitten in der Wildnis einfach kleine Hütten oder Zelte um dort ganz nach alter Tradition nach Gold zu suchen, einfach weil es Spaß macht. Wirklich reich ist damit noch niemand geworden, meist werden die Funde mit den Investitionen ausgeglichen, darum ist es auch eher als Hobby, als zum Geldverdienen in Finnland bekannt.

Auch wir machten uns auf in den Lemmenjoki Nationalpark, um nach Gold zu suchen. Hier könnte man tagelang mit Rucksack und Zelt durch unberührte Natur wandern. Uns saß der Winter aber jeden Tag näher im Nacken und so entschieden wir uns für eine größere Tagestour und Goldsuche. Wir fanden Gold in den Bächen… besser gesagt Goldstaub, damit würden wir aber nicht reich werden und nahmen es deshalb einfach als Souvenir und Andenken hin.

Ein Denkmal beim Goldmuseum in Finnland in der Lappland Region.
Denkmal beim Goldmuseum.

Aulis, der nette Finne von der anderen Flussseite

Wie so oft am Abend, suchten wir abseits der größeren Straßen auf kleineren Wegen einen Platz für unseren VW Bus an Seen oder Flüssen, um dort die Nacht zu verbringen. So wie an diesem einen Abend Ende September, wurden wir auch hier an einem Fluss fündig. Ich zog noch in der Abenddämmerung mit meiner Angel los um zu angeln und entdeckte einen guten Platz zum Werfen, wo auch ein kleines Boot lag. Ich kam nicht mal zu meinem ersten Wurf, als plötzlich aus dem nirgendwo ein Mann aus dem Wald trat und mich nett grüßte. Er hieß Aulis, und hat auf der anderen Flussseite eine kleine neugebaute Hütte mit Sauna. Das Boot, was zu meinen Füßen lag war seins und er benutzte es immer zum Angeln oder um zu seiner Hütte auf der anderen Uferseite zu gelangen.

Er lud mich direkt ein, eine Runde mit ihm zufahren, da er bei seiner Hütte nach dem Rechten sehen wollte. Ich fuhr mit. Er erzählte mir, dass er im nächst größerem Ort wohnte und dies hier nur sein Rückzugsort ist.

Wollt ihr in die Sauna?

>> Wenn ihr wollt, dürft ihr heute meine Sauna und meine Hütte benutzen und hier schlafen, ich fahre dann zurück in die Stadt. <<, sagte er beim zeigen seiner Sauna.

Wieder so eine konfuse unnormale Situation für mich, wieder bietet mir jemand komplett Fremdes etwas Großes an, ohne eine Gegenleistung zu erwarten und ohne mich wirklich zu kennen. Ich zögerte und fragte ihn ob er keine Angst hätte das wir seine Wohnung ausräumen oder sogar niederbrennen. Er sagte nur: >>Warum solltest Du das tun? <<. Wahnsinn, wir nahmen die Einladung an! Aulis überließ uns sein Boot, seine Hütte und seine Sauna. Er stellte noch eine Flasche Vodka auf dem Tisch, wünschte uns viel Spaß und mit diesen Worten verließ er uns auch schon wieder!

Wir genossen den Abend in der Finnischen Sauna wie Königin und König. Es tat so unglaublich gut für unsere Körper, sowie wieder in einem richtigen Bett schlafen zu können, ohne dass man gleich beim Aufstehen mit dem Kopf an die Decke stößt. Nach Monaten in unserem kleinen Camping Bus, war dies für uns einfach das größte in diesem Augenblick. DANKE AULIS, für diese unglaublich nette Geste! Wir kramten am nächsten Morgen noch ein paar kleine Geschenke aus dem Bus für Aulis und deponierten sie in seiner Hütte und verließen die Region mit einem wirklich guten Gefühl, das die Welt manchmal doch so unglaublich herzlich sein kann!

Mit einem kleinen Boot queren wir den Fluss zu Aulis Hütte.
Unterwegs mit dem kleinen Motorboot von Aulis zur anderen Uferseite

Polarlichter in Finnland

Neben netten Finnen, hatte Finnland auch im Herbst viele tolle Polarlichtern in der Lappland Region am Himmel zu bieten, dank der immer stärker werdenden Dunkelheit, die die andauernde Helligkeit nun nach und nach aus dem Norden vertrieb.

Für unsere Augen und unsere Psyche, war es erst einmal gewöhnungsbedürftig wieder mit der Dunkelheit konfrontiert zu werden, nach dem es die letzten Monate nicht wirklich dunkel wurde. Noch gewöhnungsbedürftiger waren die an manchen Tagen wirklich stark zu erkennenden fröhlich tanzenden Polarlichtern am Himmel. Wir konnten uns einfach nicht satt sehen, so sehr die Kälte uns nervte und so sehr wir auch froren, wir wollten weiter zum Himmel hinauf starren und sehen, was uns unsere Natur für ein schönes Schauspiel zur Verfügung stellte.

70 Tage über dem Polarkreis

In Rovaniemi, der offiziellen Heimat des Weihnachtsmannes, querten wir nach über 70 Tagen Abenteuer nördlich des Polarkreises, diese imaginäre Linie wieder in den Süden. Etwas Wehmut machte sich in uns breit und wir dachten an all die schönen Momente die wir erleben durften, an all die lieben Menschen die wir trafen und kennengelernt hatten. Es war wundervoll und wir waren sehr dankbar dafür das alles erlebt zu haben.

Natürlich besuchten wir auch noch den Weihnachtsmann! Ich wollte schauen, ob er mich wiedererkannte, denn als Kind habe ich ihn schon einmal mit meiner Schwester und meinen Eltern besucht. Als ich ihn dann sah, wusste ich sofort das er in den letzten Jahren wohl das eine oder andere Mal zu oft bei MC Donalds war aber er schien immer noch ein sehr netter Kerl zu sein. Es war schön ihn wieder einmal gesehen zu haben. Vielleicht bist bald mal…spätestens aber dann im Dezember 😉

Der Weihnachtsmann in Finnland. Unterschied von früher und heute.
Früher und Heute! Nach 25 Jahren habe ich mich und auch der Weihnachtsmann leicht verändert!

Schnee, zugefrorene Seen und (voll)abgefahrene Winterreifen

Zitternd saßen wir nun immer öfters morgens und abends in unserem kleinen Camper. Wir schalteten 2-mal am Tag die Standheizung für 40 Minuten ein, um nicht ganz so extrem dick angezogen im Bus zu sitzen, damit das essen nicht ständig in den Jacken hängen blieb und die Zehn einmal kurz auftauten. Doch zu unserem Glück, ließ sich die Standheizung nach ein paar Tage nicht mehr starte.  Nach dem ich alle Sicherungen und Kabel, soweit möglich, gecheckt hatte, ließ sich mit den für mich vorhandenen Mitteln kein Fehler entdecken. Also mussten wir ab diesem Zeitpunkt immer wieder mal den Motor laufen lassen beim Stehen, um mit der Feuchtigkeit und der Kälte im Bus klar zu kommen. Zusätzlich besorgten wir uns für ein paar Euros aus dem Supermarkt kleine Heiz-Päds für die Füße, Hände und den Körper. Diese klebten wir dann an unsere Körperteile. Es schneite immer wieder und die ersten Seen begannen zuzufrieren. Wir vermissten Aulis Sauna.

Weil wir die Sauna vermissten, mieteten wir uns in der Nähe der Stadt Kuusamo für die nächsten Tage eine kleine Hütte an einem See mit Sauna. Den Wetterbericht checkten wir erst nach der Buchung und sahen einiges an Schnee und Kälte auf die Kuusamo Region zurollen. Das Problem war nicht der Schnee, sondern unsere beiden abgefahrenen Winterreifen auf der Vorderachse. Die hinteren Reifen haben wir auf Grund einer Panne schon in Schweden gewechselt. Aber vorne war fast kein Profil mehr drauf. Die meisten Finnen fuhren mittlerweile schon mit ihren Speiks bestückten Winterreifen durch die Gegend, was ein tollen Geräusch verursachte aber uns nicht beruhigte. Gedanken und Fragen schwirrten durch unseren Kopf und wir suchten nach einer Lösung.