Insel Senja, Tromsø und Lappland: Skandinavien-Baltikum-Tour 10

Insel Senja, Tromsø und Lappland: Skandinavien-Baltikum-Tour 10

13. September 2019 0 Von Björn Hofmann
Von Vesteralen nach Senja, Tromso und Lappland.
© OpenStreetMap contributors, © Omniscale

Mit unvergesslichen Eindrücken verließen wir nun endgültig Vesteralen. Auch wenn damit für uns der Zauber mit dem Namen Lofoten vorerst verpufft ist, haben wir aber dadurch neue Zauber mit den Namen Andoya und Langoya gefunden. Wir sind nun seit drei Monaten in Skandinavien unterwegs und haben 10.000 Kilometer mit unserem selbst ausgebautem Camper zurückgelegt. Uns kommt es so vor, als wären es erst drei Wochen. Dies Zeigt, wie schön und abwechslungsreich unser Europa doch ist und wie lange man sich allein nur im Norden aufhalten könnte, ohne das es langweilig oder eintönig wird.

Abseits der großen E10 und E06, fuhren wir auf der Straße 825 und der 84 fast einsam am Astafjorden entlangschlängelnd nach Finnsnes, was das Tor auf die Insel Senja ist.

Auf dem Weg zur Insel Senja im Norden Norwegens.
Am Astafjorden.

Die Insel Senja

Senja empfing uns mit wolkenverhangenem Himmel. In der ersten Nacht auf Senja hatten wir seit Wochen den ersten großen Regenschauer. Es regnete auch den ganzen Tag weiter. Zu Beginn waren wir etwas überfordert mit dem schlechten Wetter, da wir es überhaupt nicht mehr gewohnt waren. So mussten wir uns erst einmal wieder daran gewöhnen, uns im kleinen engen Bus für mehrere Stunden zu verkriechen, um es uns dort gemütlich zu machen.

Wir fuhren im Nord-Westen bei Gryllefjord auf einer nicht mehr benutzten Straße entlang, (dank eines neuen Tunnels) direkt in die Berge auf einen leeren Wanderparkplatz. Da mittlerweile durch die sehr tief hängenden Wolken und den dichten Nebel so gut wie keine Sicht war, hatten wir auch keine Ahnung, wo wir uns eigentlich gerade genau befanden.

Der nächste Tag brachte Licht ins Dunkle. Am Morgen vertrieb die Sonne das ungemütliche Wetter. Schöner hätten wir mit unserem Bus nicht stehen können. Die Aussicht war wie schon so oft in Norwegen spektakulär. Wir entdeckten eine kleine Wanderung hinter dem Camper. Neugierig, wie wir waren, wurde auch gleich die Wanderschuhe angezogen und dem Pfad Richtung eines kleinen Gipfels gefolgt. Von oben ließ sich gut der Nord-Osten von Senja überblicken.

Die Insel Senja.
Wanderung auf der Insel Senja.

Der Norden von Senja

Der Wetterbericht zeigte 2 Tage schönes Wetter an, bevor die nächste Regenfront uns erreichen sollte. Also fuhren wir den ganzen Norden von Senja an einem Tag ab, um noch das gute Wetter für die Insel Kvaloy, was direkt bei Tromso liegt, zum Erkunden zu benutzen.

Es gibt nur eine Straße im Norden von Senja die den Osten und den Westen verbindet. Diese eine Straße hat was spektakuläre Bergsicht und Landschaften betrifft ordentlich was zu bieten. Es gibt jede Menge Wandermöglichkeiten. Uns tat es ein wenig weh, nicht genügend Zeit zu haben um einige Wege zu erwandern. Es gibt einfach zu viel zu entdecken. Aber wie hat uns ein netter Franzose gesagt: >> Lasst noch genügend Gründe da, für eine nächste Reise <<.

Die Insel Senja.
Landschaft auf der Insel Senja.

Insel Kvaløy

Wir setzten mit der Fähre von Senja nach Kvaløy über. Mittlerweiler war es Mitte August und die ersten Verfärbungen zeigten sich an den Blättern und Moosen. Der Herbst sendete also seine ersten Zeichen. Auch auf Kvaløy ging das Staunen weiter. Hier merkte man jedoch das Einzugsgebiet von der größeren Stadt Tromsø. Es war Wochenende und der Himmel war blau, klar dass es die Norweger nach draußen in die Natur zog.

Es war sehr populär mit dem Zelt am Wochenende nach draußen zu gehen. Wir sahen viele Familien die mit ihren Kindern einfach irgendwo zelteten. Was für ein tolles Erlebnis für die Kinder. In Deutschland habe ich immer schnell ein schlechtes Gewissen, wenn ich einfach wild draußen schlafe in der Natur. Hier ist es das normalste der Welt und das fasziniert mich so sehr. Aber viel umweltbewusster sind die Norweger deswegen nicht unbedingt. Das ist jedoch wieder eine andere Geschichte.

Rentiere so weit das Auge reicht. Immer wieder sind wir auf kleine Herden oder Einzeltiere gestoßen. Selbst am Strand und in Zeiten von Ebbe laufen sie im Fjord am Ozean umher.

Rentiere bei Ebbe an der Küste Norwegens.
Ein Rentier bei einer Wattwanderung.

In Tromvik und Rekvik war das Gefühl da, das Ende der Welt erreicht zu haben. Es gab unzählige Wanderungen. Wir kletterten spontan am Abend auf einen kleinen Berg und sahen in der ferne viele kleine Zelte stehen, wo Norweger ihr Wochenende verbrachten. Die Stimmung an diesem Abend war mal wieder besonders und wir wollten am liebsten, das sie nicht endete.

Bei einer größeren Tagestour auf einen der höchsten Berge der Insel, trafen wir Studenten aus Tromso die gerade dabei waren eine Badewanne auf den steilen und rutschigen Berggipfel zu schleppen. Sie erstellen verrückte Foto-Projekte in den Bergen. Auch eine Toilette oder ein Gasgrill mit Gasflasche standen schon auf einen der vielen Gipfel um Tromso. Auf Instagram nennen sie sich Mountain Concept.

Insel Kvaløy bei Tromsø in Norwegen.
Blich von der Insel Kvaløy Richtung Tromsø.

Beeren Sammeln im Norden

Es begann die Zeit der Beeren. Wir bevorzugten die Moltebeere und die Heidelbeere, die es zum Teil in großen Mengen zum Sammeln gab. Die Moltebeeren wurden  von uns zu Marmelade verarbeitet und die Heidelbeeren landeten im morgendlichen Müsli oder in einem Heidelbeerkuchen den wir in unserem mini Omnia-Backofen backten. Bei der Moltebeere muss man darauf achten, dass sie erst reif ist, wenn sie Orange wird. Die leuchtend roten Beeren, die auch sehr verlockend aussehen, sind noch nicht reif. Am Anfang dachten wir auch, dass es genau andersrum ist und haben die Moltebeere erst mal als nicht so toll eingestuft. Reif schmeckt sie nun deutlich besser.

Tromsø

Die erste Stadt wo wir uns länger aufhielten. Der Grund war, dass wir schnell einen kostenlosen Freestyle-Parkplatz unter einer Brücke am Hafen gefunden haben. Parken in Tromso ist nicht so einfach. Dafür sind die Tunnel beeindruckend die unter der Straße entlangführen, wo es sogar unter der Erde Kreisverkehre und Kreuzungen gibt die hübsch beleuchtet sind.

Die Stadt Tromso
Ein Teil von Tromsø.

Polarmuseum

Wir genehmigten uns in einem kleinen süßen Café einen morgendlichen leckeren Cappuccino, der wirklich top im Geschmack war, bevor wir weiter zum Polarmuseum (Polarmuseet) zogen. Von außen nicht wirklich zu erkennen als Museum, ist es aber im inneren sehr interessant und informativ für uns gewesen. Alles was zum Erkunden und zum Lesen war, gab es auch als deutsche Übersetzung.

Hier lernten wir sehr viel über den Volkshelden Roald Amundsen und waren sofort, genau wie die Norweger von seinen Abenteuern gefesselt. Selten habe ich so viel in einem Museum gelesen wie hier…eigentlich habe ich jedes Wort gelesen was es zu lesen gab. In Verbindung mit den vielen anschaulichen Ausstellungen, Modellen und anderen Objekten wurde vieles in unseren Köpfen lebendig. Auch wenn die Robbenjagt eher positiv dargestellt wurde, was vielleicht nicht ganz so schön ist aber damals nun mal so war, ist das Polarmuseum sehr zu empfehlen.

Ein Denkmal von Roald Amundsen beim Polarmuseum.

Eismeerkathedrale

Die Eismeerkathedrale in Tromso zählt wohl zu einem der wichtigsten Ziele in Tromso. Wir konnten den hype nicht ganz nachvollziehen. Die Kathedrale liegt direkt an einer Kreuzung. Im inneren sieht sie nicht viel besser oder schlechter aus wie andere Kathedralen. Aber Geschmack ist zum Glück verschieden, ansonsten hätten wir nicht solch eine tolle Vielfalt zu Auswahl.

Die Eiskathedrale in Tromso.
Die Eiskathedrale in Tromsø

Schwedisch-Lappland

Wir zogen nach einem erlebnisreichen Besuch weiter. Es ging dieses Mal in eine ungewohnte Himmelsrichtung, in den Süden. Der Grund war, dass wir am Kungsleden in Schwedisch-Lappland eine Trekking-Tour laufen wollten aber eine größere Veranstaltung der Firma Fjällräven, der Fjällräven-Classic Lauf, uns die Ruhe gestört hätte. Dieser Trekking-Lauf dauert eine Woche und es nehmen viele Tausend Teilnehmer daran teil. Wir wollten diesen Lauf abwarten, somit die Entscheidung erst noch ein Stück in den Norden nach Tromso und dann erst nach Schwedisch- Lappland zu reisen.

Wir nutzen nun die schnelle Verbindung der E06 und E10 Richtung Narvik und Kiruna, um schneller voranzukommen. Es regnete 2 Tage lang in Strömen. Und wir sahen von der 400 Kilometer langen Fahrt nicht wirklich viel. Aber das haben wir auch nicht unbedingt erwartet. Pünktlich in Kiruna angekommen und somit zurück in Schwden, zeigte sich wieder die Sonne. Wir erledigten die letzten Besorgungen in Kiruna für unsere Tour und fuhren die Straße nach Nikkaluokta.

Frühstück am Fluss in Schweden
Frühstück an einem Fluss in Schwedisch-Lappland

Nikkaluokta, Abisko und der Kungsleden

Der Kungsleden zieht sich mehrere hundert Kilometer durch den Norden Schwedens in der Region Lappland. Wir wollten einen Teil dieses Weges laufen, um die schöne Landschaft in Lappland ohne Straßen genießen zu können. Daher entschieden wir uns für den Dag Hammarskjöldsleden, der zu Beginn den gleichen Wegverlauf hat wie der Kungsleden. Wir parkten unser Auto an der Station Nikkaluokta. Von hier aus gelangt man ebenfalls zum höchsten Berg Schwedens, der Kebnekaise. Wir wollten aber im Nationalpark Abisko starten und nahmen den öffentlichen Bus über Kiruna nach Abisko.

Am späten Nachmittag in Abisko angekommen, liefen wir in die beginnende Herbstlandschaft mit unseren schweren Rucksäcken hinein. Die Tour dauerte 6 Tage und wir liefen 105 Kilometer durch feinste Fjell-Landschaft, bis wir wieder in Nikkaluokta landeten. Hier geht es zum Touren-Bericht über den Dag Hammarskjöldsleden mit vielen Informationen zu Tour.

Trekking auf dem Kungsleden
Am Kungsleden

Der Ruf des Nordens

Er war schon wieder zu hören, ganz deutlich. Noch haben wir mit dem Nordkinn noch nicht den nördlichsten Punkt erreicht. Also ging es für uns quer durchs Sameland auf der E45 zur Grenze Finnlands. Hier konnten wir die ersten kurze Eindrücke von Finnland sammeln, bevor wir wieder die Grenze nach Norwegen passierten und in die Finnmark gelangten.

Der hohe Norden ruft, lassen wir ihn nicht länger warten!