In den Süden Finnlands: Skandinavien-Baltikum-Tour 13

In den Süden Finnlands: Skandinavien-Baltikum-Tour 13

11. November 2019 2 Von Björn Hofmann
Route durch Süd Finnland

In der Stadt Kuusamo machten wir uns bei Schneefall auf die Suche nach neuen Winterreifen, um die 2 abgefahrenen auf der Vorderachse zu ersetzten. Wir fanden eine Werkstadt und zum Glück auch jemanden der englisch sprach. Das war nicht immer so einfach im Norden von Finnland, denn hier sprach man nicht so viel englisch.

Neue Winterreifen konnte man uns gerne besorgen, das Stück kostet auch nur 260€. WOW, wohl ein Sonderangebot. Ich fragte noch mal nach, ob denn bei dem günstigen Preis ein Auto inklusive ist, wenn ein Reifen „nur“ 260€ kostet. Leider war kein Auto dabei und Gold enthielt der Winterreifen wohl auch nicht. Wir lehnten dankbar ab und überlegten uns was Neues…

Der Ersatzreifen wird es in Finnland richten!

Anstatt überteuerte Reifen zu kaufen, kauften wir uns endlich einen neuen Wagenheber, da der andere leider vor einigen Monaten in Schweden beim Reifenwechsel kaputt gegangen ist. Warum jetzt erst? Wir hatten einen gebrauchten Wagenheber in einem Straßengraben in Norwegen gefunden. Ich vertraute diesem nun aber nicht mehr, trotz uneingeschränkter Funktion und entschied mich für einen Neukauf aus Sicherheitsgründen.

Da unser Ersatzreifen ein Winterreifen ist und noch in einem guten Zustand war, tauschte ich diesen mit dem schlechtesten der zwei vorderen Reifen. Den Rest redeten wir uns schön.

>> Genau, nun ist es sicher! Denn jetzt haben wir ja 3 Reifen die noch zum Fahren im Winter bei Schnee geeignet sind, nun ist alles gut! <<.

Nach dem wir also glaubte, dass 3 Winterreifen hier oben genauso gut sind wie 4 Winterreifen mit Spikes, ging die Reise weiter.

Kaputtes Auto in Finnlands Wäldern.
Entweder ist das ein Langzeitparkplatz, oder der Besitzer wartet darauf, das er sich endlich neue Winterreifen in Finnland leisten kann.

Eine einsame, nicht einsame Hütte im Osten von Finnland

Von Kuusamo aus folgten wir einigen Kilometern Schotterstraße in Richtung russische Grenze zu unserer spontan gebuchten Hütte. Die Lage war erste Sahne, kein Mensch weit und breit und das Haus lag mitten im Wald an einem See. Vom Camper aus sahen wir die Hütte nur vom weitem, denn die Hütte lag auf der anderen Uferseite vom See. Im Winter quert man einfach den zugefrorenen See zur Hütte. Zum aktuellen Zeitpunkt war dieser See aber noch nicht zugefroren, also schnappten wir uns das Boot, was extra zur Querung vorhanden war.

Hier gab es jedoch gleich den ersten Dämpfer, das Boot war kaputt! Die Ruder ließen sich nicht fest am Boot fixieren um damit richtig rudern zu können. Nebenbei bemerkt, drang auch noch Wasser ins Boot ein, sobald man versuchte einzusteigen. Egal, Urlaub, weiter geht’s. Fluchend und mit nassen Füßen ruderte ich, nein, versuchte ich zu rudern und gelangte mit einer merkwürdigen Paddel-Technik auf die andere Uferseite. Der erste Eindruck am anderen Ufer ließ uns wieder auf eine erholsame Zeit hoffen.

Erholung im Mäuse-Haus?

Das Innere der Hütte war eine Katastrophe. Alles war schmutzig und überall lag Mäusekot umher! Also verbrachten wir den kompletten Tag mit der Reparatur des Bootes und des reinigen der Hütte. Kaputt und müde vom Tag, legten wir uns in die Betten und hofften auf erholsamen Schlaf. Leider wurde uns dieser auch nicht gewährt, denn der Besitzer des vielen Mäusekots rannte und kletterte die ganze Nacht in der Hütte über unsere Sachen. Wir versuchten die Mäuse der Nacht zu jagen, hatten dann aber nach einer Weile keine Motivation mehr, denn wir wollten uns endlich mal ausruhen. Am nächsten Morgen lag in der Küchenecke und auf dem Esstisch wieder neuer Mäusekot. So einsam war die Hütte dann leider doch nicht. Übermüdet von der Nacht, trafen wir eine gute Entscheidung. Wir verließen die Hütte und hatten somit noch die Chance rechtzeitig vor dem großen Wintereinbruch in den Süden fliehen.

Mit großen Schritten nach Süd-Finnland

An der Küste Finnlands sollte es nicht all zu kalt werden und statt Schnee sollte es sogar Regen. Ganz anders sah es in der Mitte von Finnland aus. Kalt und Schnee! Normalerweise würden wir sofort Schnee dem Regen vorziehen, doch in der aktuellen Situation mit unseren Reifen, freuten wir uns sogar über den Regen. Es ging ohne große Pause nach Oulu nach Westen an die Küste und weiter der Küste entlang folgend nach Süden. Unser Plan ging auf. Es war deutlich wärmer als in den letzten Tagen und mit 4 bis 5 Grad für uns mal wieder richtig warm. Nur kurz erkundeten wir die Küste Finnlands, denn unser Ziel war klar, wir wollten nun weiter nach Süden.

Die Küste Finnlands
An der Küste Finnlands, kann man sich den Traum von einer eigenen Insel erfüllen.

Der Elchtest

Auf dem Weg in die größere Stadt Tampere, wurden wir dem Elchtest unterzogen. Wir fuhren gemütlich auf einer kleineren Straße durch den Wald, als schon von weiten eine größere Lichtung auf der rechten Seite zu erkennen war. Ein Bild was wir wohl schon zigmal auf unserer Reise durch Finnland hatten. Doch dieses Mal war da noch mehr als die Lichtung zu erkennen. Elche!

4 Elche standen entspannt auf der Lichtung und genossen die Aussicht auf unseren Camper. Als deutscher Autofahrer wollte ich nicht mitten auf der leeren Straße einfach anhalten…ich fuhr automatisch weiter und eh Justyna die Kamera in der Hand hatte, war alles vorbei. Wir schauten uns kurz fragend an, als würden wir eine Bestätigung für das gesehen suchen. >> Das waren schon gerade 4 Elche, oder? <<. >> Ich denke schon, so sollten die aussehen. <<.

Mit dem Gedanken, die sind ja eh schon bestimmt weg, drehte ich an der nächsten Möglichkeit um, um noch einmal an der Stelle vorbei zu fahren. Und da standen sie wieder. Justyna konnte es nicht fassen, natürlich die Kamera nicht griffbereit, fuhren wir wieder an den Elchen mit großen Augen vorbei. Die Elche schauten uns wieder hinterher. Ich hatte das Gefühl, die wollten uns am liebsten Fragen, ob sie uns irgendwie helfen könnten.

Als die Elche Geduld zeigten

Alle guten Dinge sind drei und somit drehten wir wieder um, mussten ja eh in diese Richtung zurück! Und tatsächlich, sie waren noch da. Endlich schaffte ich es anzuhalten und Justyna den Fotoapparat rauszuholen. Sie blieben extra für uns stehen, wahrscheinlich hatten sie Mitleid. Ich dachte bis zu diesem Augenblick, Elche rennen gleich weg. Aber vielleicht wurden diese vom Finnischen Tourismus Verband bezahlt, keine Ahnung. Es war zumindest für uns ein toller Moment nun endlich mal diese wunderschönen Tiere in Ruhe beobachten zu können. Elchtest bestanden!

Vier Elche aus Finnland
Die vier coolen Elche aus Finnland

3 Städte in 3 Tagen, Finnisch Sightseeing

Die Finnen sind bis jetzt auf unserer Reise die wohl entspanntesten Autofahrer. Zumindest haben wir diese Erfahrung machen dürfen. So verhielt es sich auch in den Städten. Normal fahre ich nicht gerne mitten in Ballungszentren hinein, doch in Finnland war das ziemlich entspannt. Selbst in Helsinki. Unser Plan war es, Skandinavien nun schnell zu verlassen, um noch vor der eisigen Kälte etwas vom Baltikum erkunden zu können. Also entschieden wir uns nur für kurze Stopps in Tampere und Lahti.

In Tampere gab es nur ein Ziel und das war für Justyna enorm wichtig. Das Mumins Museum! Schon als Kind hat Justyna mit den Abenteuern der von Tove Jansson erschaffenen Figuren mitgefiebert, ja und sie tut es heute immer noch mit Leidenschaft.

Von Tampere ging es nach Lahti in den Olympia Park zu den Skisprung Anlagen und ins Ski Museum. Nach dem wir dort im Skisprung Simulator und beim Biathlon Schießstand uns für die nächsten Olympischen Spiele qualifizierten, ging es weiter zur Hauptstadt Finnlands, nach Helsinki.

Skisprung Schanzen in Lathi.
Skisprung Schanze in Lahti
Hier wird mein falscher Umgang mit Zucker Konsum deutlich erkennbar. Ein Besuch der Fazer Schokoladen Fabrik bei Helsinki.

Helsinki, das Tor zum günstigen Alkohol.

Wir fuhren in den Süden der Stadt Helsinki, nähe Hafen. Dort gab es günstige Parkplätze mit öffentlichen Toiletten. Perfekt für uns um dort 2 Nächte im VW Bus zu verbringen. Von dort aus waren wir schnell im Stadtzentrum und konnten zu Fuß 2 Tage Helsinki erkunden.

Am dritten Tag in Helsinki ging am Vormittag unsere Fähre nach Tallinn. Ob wohl es schon Mitte Oktober war, war die Fähre gerammelt voll. Wir wollten uns einen Kaffee kaufen, keine Chance! Eine riesige Menschenschlange zog sich durch das Schiff Richtung Kaffee. Eine zweite war gerade dabei zu entstehen, es war die zum Damen WC. Wir quetschten uns durch das Schiff und durchliefen eine Bar nach der anderen. Es gab Alkohol ohne Ende zu kaufen. Das schien das Ziel vieler Finnen zu sein. Viele Finnen fahren zum einkaufen nach Tallinn und ich vermute nicht, dass es Milch oder Orangensaft sein wird.

Freie Sitzplätze gab es leider nicht mehr, also machten wir es so, wie wir es vom Reise mit der Deutschen Bahn oft gewohnt waren, wir setzten uns an einer freien Stelle zu vielen anderen Reisenden auf den Boden.

Die Fahrt dauerte nur 2 ½ Stunden und mit der Fahrt verließen wir nach 146 Tagen und 13.000 Kilometern, Skandinavien. Wir erreichten Tallinn und damit das Baltikum.