Von Mora an die Küste nach Bergen: Skandinavien-Baltikum-Tour 6

Von Mora an die Küste nach Bergen: Skandinavien-Baltikum-Tour 6

30. Juni 2019 0 Von Björn
Tour durch Schweden und Norwegen
Von Mora nach Bergen

Reifenpanne auf dem Weg nach Norwegen

30 Kilometer nach Mora parkten wir auf einem kleinen Picknickplatz, um dort die Nacht zu verbringen. Als ich am Abend um den VW Bus lief und mir die Reifen spontan betrachtete, sagte ich noch lautdenkend in Richtung Justyna, dass wir mal wieder den Reifendruck überprüfen sollten. Als ich dies am nächsten Morgen tat, erkannte ich schon mit bloßem Auge, das hinten rechts was nicht stimmte. Und so war es auch, statt den benötigten 3,7bar, waren nur 1,9bar im Reifen. Nachdem ich mit unserem kleinen 12V Kompressor* den Reifen wieder aufgepumpt hatte, wurde mir nach dem ausschalten des kleinen laut brummenden Gerätes durch ein Zischen aus dem Reifen klar, dass wir also ein Loch, nach fast 5000 Kilometer auf Tour, im Reifen habe.

In die Reifen-Werkstatt nach Mora

Da wir uns am Vortag von Mora noch nicht zu weit entfernt hatten, suchte ich online eine Werkstatt. Da ich schnell fündig wurde, unterließ ich das selber flicken des Reifens. Der Ersatzreifen wurde unterm Bus hervorgeholt, draufmontiert und es ging zurück nach Mora in die Werkstatt, wo uns der Reifen nach Aussage vom Mitarbeiter in der Qualität „Made in Sweden“ wieder repariert wurde. 500 Schwedische Kronen später, hatten wir wieder alle 5 Reifen einsatzbereit.

Reifenpanne mit dem Camper in Schweden
Reifenpanne in Schweden. Zum Glück hatte ich Arbeitsschutz-Badeschuhe an!

Als der Wagenheber kaputt ging und der VW Bus sich zur Seite kippte

Als ich den Reifen später zurück wechseln wollte, brach die Gewindestange des Wagenhebers genau dann, als kein Reifen mehr auf der Achse montiert war. Der Wagenheber kippte und drückte in die Karosserie eine ordentliche Delle hinein. Zum Glück verkantete sich der Wagenheber mit der Karosserie und alles hielt irgendwie, so ähnlich wie bei Mikado. Doch da sich der Bus um ca. 15cm abgesenkt hatte, konnte ich den geflickten Reifen so nicht mehr montieren. Zum Glück war die Straße nicht asphaltiert. So hackte ich mit unserem Klappspaten ein Loch in die Straße und konnte nach 30 Minuten hacken und graben, den Reifen zum Glück drauf montieren. Der Wagenheber flog in die Tonne, das Loch wurde wieder zu gemacht und wir konnten erleichtert weiterfahren.

Wanderung im Sälenfjäll in der Darlana Region

Wir fuhren weiter in Richtung norwegische Grenze nach Sälen. Kurz vor der Grenze, gibt es eine wunderschöne Region zum Wandern. In der Wintersaison sind hervorragende Bedingungen zum Ski Alpin und Langlaufen vorhanden. Wir sahen noch die letzten Felder Schnee an den Hängen liegen und bekamen Lust in diese Region tiefer hineinzulaufen. Somit unternahmen wir unsere erste Wanderung im Schwedischen Fjäll.

Wandern im Sälenfjäll in Schweden
Sälenfjäll

Unsere ersten Tage in Norwegen

Nach dem wir über eine kleine Nebenstraße nach Norwegen gelangt sind, machten die norwegischen Straßen einen sehr guten ersten Eindruck auf uns und ich war mir fast sicher, das uns diese sauberen Straßen, in diesem Top Zustand nun die ganze Zeit bekleiden würden in diesem doch so reichen Land.

Von wegen! Die Straßen wurden zum Teil die schlechtesten, die wir bis jetzt auf unserer Tour gefahren sind. Warum ist das so? Vielleicht liegt es daran, dass man ständig Maut zahlen muss, in meinen Augen noch teuer dazu. Vielleicht sind deswegen die Straßen so schlecht… aber das ergibt keinen Sinn. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir die großen Europastraßen mieden. Aber am Ende ist es ja auch egal. Wir haben wieder 5 einsatzfähige Reifen und nach jedem Schlagloch wurde hinten im Bus alles neu sortiert und wir finden wieder neuen Platz um Sachen zu verstauen. Denn es ist immer nur so schlimm, wie du es dir denkst.

Eidfjord in Norwegen
Eidfjord am Hardangerfjords

Maut für Tunnel, Brücken und Straßen in Norwegen

In Norwegen wird solange Maut für Brücken, Straßen und Tunnel verlangt, bis diese abgezahlt sind. Als Urlauber sollte man sich am besten auf www.autopass.no mit seinem Auto registrieren, dann gibt es keine Missverständnisse bei der Einordnung in die Klassen und die damit verbundene Maut gebühren. Auch kann man hier online seine Aktuellen Rechnungen über Mautgebühren checken.

Auf kleinen Nebenstraßen kann es immer noch passieren, dass man mit seiner EC oder Kreditkarte nicht all soweit kommt, was eigentlich sehr untypisch für Norwegen ist. Hier gibt es ein Schild mit der Bezeichnung “Bomsstasjon“, wo man dann Bar die Maut selbständig zahlt.

Lillehammer

Eigentlich wollte ich nicht in die Stadt, doch Justyna hat mich davon überzeugt, dass wir zumindest die Skisprungschanze anschauen sollten. Nach dem mir Justyna das ganze gut verkauft hat, fuhren wir also in den Olympiapark nach Lillehammer, wo 1994 ein Teil der Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Jens Weissflog holte hier Einzeln und im Team die Olympische Goldmedaille.

Wer nach oben zu den Schanzen möchte und den Sessellift benutzt, muss zahlen, wer läuft, darf kostenlos hoch. So etwas wie eine heimliche “Fettsteuer“, also liefen wir natürlich, hält ja jung, fit und am Ende ist noch Geld für ein Eis übrig.

Kreuz und Quer

Das Wetter hielt weiter seine Sonnige Seite für uns Bereit. Manchmal überraschte ein kurzer Regenschauer für ca. 1 Stunde, meistens kommen die einfach aus dem nichts, verschwinden aber genauso schnell. Die Sonne gewann also meistens und so nutzen wir die Zeit um auch ein oder zwei Tage mal zu entspannen und nicht allzu viel den Camper zu bewegen. Wir backten Brot im Dutchoven, backten uns neues knuspriges Müsli und genossen die aktuelle Mückenfreie Zeit im Freien. Vielleicht liegt es an der Änderung der Landschaft oder die längere Trockenzeit oder an der teuren Maut, aber in Norwegen haben wir seit nun aktuell 11 Tagen keine Probleme mehr mit Mücken. Dafür aber mit einem stark zunehmenden Strom an Touristen aus ganz Europa, trotz Maut.

Camper Leben in Skandinavien. Aussteiger auf Tour
Wir schützten uns unter der Markise vor einem plötzlichen Regenguss
Brot backen im Dutch-Oven und Atago
Brot backen im Dutch-Oven und Atago

Wir waren es nicht gewohnt im Sommer Urlaub zu machen, wir sind auch ehrlich gesagt sehr froh darüber, denn die Nebensaison, egal wo, ist immer die geilste Zeit. Aber Familien die an die Ferien gebunden sind, bleibt leider nichts anderes übrig. Somit bekommen wir nun eine Vorstellung, wie es den meisten Urlaubern in der Hochsaison geht. Ich habe zum Glück Wodka im Kühlschrank :-).

Straße R7 durch die Hardangervidda zum Hardangerfjords

Die R7 zwischen Geilo und Eidfjord hat es Landschaftlich ordentlich drauf. Neben der größten Hochebene Europas, kann man hier in der Hardangervidda viele Tages oder Mehrtagestouren starten und eine wilde und raue Fjäll Landschaft genießen. Wer Glück hat sieht sogar Rentierherden. Wer ganz genau schaut, findet sogar ein paar Trolle, wir haben zumindest einen entdecken können. Es gibt viele Rastparkplätze oder Aussichtspunkte. Somit füllt die ca. 90 Kilometer lange Strecke mal schnell einen ganzen Tag aus und man fragt sich am Ende, wo ist die Zeit hin, aber so soll es ja auf Tour sein.

  • Hardangervidda
  • Sichtung eines Trolls in der  Hardangervidda

Wanderung zum Fuße des Voringfossen

Kurz vor Eidfjord, was wunderschön am Ende des Hardangerfjords liegt, taucht der Voringfossen auf. Ein Wasserfall der 182m in das Mabodalen stürzt und dabei eine gute Figur abgibt. Wir fuhren die 2 klassischen Aussichtspunkte an, um den Voringfossen anzuschauen. Dabei entdeckte ich 200m weiter unten im Tal, das sich dort 2 kleine Punkte bewegten, es waren Wanderer! Zurück am Camper, wurde gleich darauf die Wanderkarte inspiziert und ein Weg zum Fuße des Wasserfalls entdeckt. Da es schon spät am Abend war, entschieden wir uns dazu, diesen Weg am nächsten Morgen zu laufen und wir wurden auf dieser Wanderung nicht enttäuscht. Am Ende gab es eine ordentliche Dusche durch den Sprühnebel, den dieser gigantische Wasserfall erzeugte und wunderschöne Bilder für spätere Erinnerungen.

Der 182m hohe Voringfossen
Der 182m hohe Voringfossen
Das Mabodalen in Norwegen beim Voringfossen
Das Mabodalen

Die Stadt Bergen

Wieder wehrte ich mich zu Beginn in eine größere Stadt zu fahren, doch ich ließ mich am Ende wieder durch tolle Bilder davon überzeugen, es doch zu tun und wenig später war das GPS auf Bergen programmiert. In Bergen selber bin ich kurz durchgedreht, ich hasse es in Städten zu fahren und wenn es dann auch noch keine Parkplätze gibt und ich sinnlos durch die Gegend Eier, dann will ich da einfach nur noch raus, raus, raus! Einen riesen Respekt an die Menschen, die in Städte wohnen, ich könnte das nicht länger als ein paar Tage oder Stunden.

Ulriken, der Hausberg von Bergen

Durch Zufall fanden wir den Parkplatz der Herberge Montana in der Nähe zum Aufstieg des höchsten Berges um Bergen, den Ulriken. Es war mittlerweile abends als wir an der Herberge ankamen. Nach kurzem Überlegen und dem zahlen der Parkgebühr von 75 Kronen, entschieden wir uns noch für den Aufstieg von ca. 1,5 Stunden.

Wir stiegen im nachlassenden Strom von Joggern und Wanderern Richtung Gipfel auf. Oben an der Seilbahnstation angekommen, entdeckten wir im Hintergrund eine wunderschöne Berglandschaft die mit saftig grünen Gräsern und Mos überzogen war. Endlos schienen die weiteren Wanderwege. Die meisten Gipfelstürmer blieben bei der Seilbahnstation sitzen. Wir wollten uns nach einer Pause gerade wieder auf dem Weg ins Tal machen, als wir etwas weiter entfernt, den wahren Gipfel des Ulriken entdeckten. Ob wohl es schon fast 21Uhr war, stiegen wir noch die letzten 20 Minuten auf bist zum höchsten Punkt.

Blick vom Ulriken auf den Sonnenuntergang. In der Stadt Bergen.
Blick vom Ulriken auf den Sonnenuntergang

Bei schönem Wetter, ein Traum von einem Gipfel

Ganz alleine am Gipfel an diesem Abend, entschieden wir schnell, hier den Sonnenuntergang um kurz nach 23Uhr nicht verpassen zu dürfen. Wir bekamen ein wunderschönes Naturschauspiel über den Wolken von Bergen zu Gesicht und stiegen erst kurz vor Mitternacht wieder zurück ins Tal ab, wo wir einfach auf dem Parkplatz der Herberge schliefen.

Am nächsten Morgen ging es noch ins Stadtzentrum. Am Abend war ich froh, als ich endlich wieder raus in die Natur fahren durfte. Bergen war ok, der Berg Ulriken war der Wahnsinn, auch wenn ich kein Freund von Städten bin, würde ich zu diesem Punkt immer wieder sofort zurückkehren.

Nachdem es nun viele Tage immer nach Westen ging, geht es nun wieder weiter nach Norden, auf den Spuren der Trolle, Elche und den Rentieren.

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