Von Bergen durch die Fjorde nach Trondheim: Skandinavien-Baltikum-Tour 7

Von Bergen durch die Fjorde nach Trondheim: Skandinavien-Baltikum-Tour 7

18. Juli 2019 0 Von Björn
Route von Blog 7

Eine heiße Dusche und eine Maschine, die unsere Wäsche wäscht

Nachdem wir Bergen verlassen hatten, steuerten wir direkt auf einem Campingplatz nördlich von Bergen zu. Unser 2ter Campingplatz auf unserer nun mittlerweile über 60 Tage anhaltenden Reise durch unser schönes Europa. Wir haben nun seit Wochen kein Geld mehr für einen Schlafplatz ausgegeben, nun sollte mal wieder eine heiße Dusche und viel wichtiger, eine richtige Waschmaschine her. Es tat gut alles einmal wieder waschen zu können und am Abend im frischen Bettbezug einschlafen zu können. Ein Luxus über den wir uns im “normalem“ Leben keine Gedanken gemacht haben, nun aber froh sind, dass wir uns über solch etwas einmal Gedanken machen!

Stabkirche in Lom

Das Wetter wurde nun norwegisch

Nach dem wir die letzten Sonnenstrahlen in Bergen eingefangen hatten, änderte sich nun das Wetter, so wie ich es in Norwegen erwartet hatte, nass, regnerisch, kühl und leicht Nebel verhangen. Wir fuhren sehr enge kleine Küstenstraßen abseits der großen Straßen entlang, doch die Sicht war nicht wirklich gut. Mit ein wenig Glück, zog es am Nachmittag auf und man war nun in der Lage, eine Vorstellung zu bekommen, in welch einer schönen Region man sich gerade befand. Durch den Regen wurden auch wieder die Mücken angelockt und wir begannen wieder unser Ritual mit der Chemiekeule. Auch der Bus wurde ordentlich eingesprüht, seit dem schliefen wir auch wieder viel tiefer und fester…

Schlafplatz auf einem Pass…sehr kalt

Eine Schifffahrt die ist Lustig

Und in Norwegen auch auf Dauer ziemlich schlecht für die Urlaubskasse. Da wir an der norwegischen Küste entlangfuhren, mussten wir immer wieder Fähren zum Überqueren von Fjorden oder das springen von einer Halbinsel zur nächsten benutzen. Die Fährstrecken waren meist zwischen 3 und 9 Kilometer lang und kosteten je nach Fähre zwischen 110 und 160 Kronen.

Eine der vielen Fähren die wir nutzten
Am Sognefjord

Sognefjord und Likholefossen

Der Sognefjord sollte geplant von Rutledal aus mit der Fähre überquert werden. Was wir nicht wussten, die Fähre von dort, fährt nur 4mal am Tag und so hatten wir die Option 3 Stunden zu warten oder weiter nach Ytre Oppedal am Fjord entlang zu fahren um dort nach Lavik überzusetzen. Wir entschieden uns für Ytre Oppedal und hatten Glück, da hier die Fähre alle 20 Minuten nach Lavik übersetzt.

Wir fuhren für eine Weile vom Sogneford weg Richtung Forde, wo es ordentlich bergisch wurde. In Forde versorgten wir uns wieder mit Trinkwasser und Lebensmitteln. Etwas weiter von der Stadt, schliefen auf einem Bergpass, wo wir am Abend und am Morgen von Schnee überrascht wurden. Zum Glück hatte ich die Winterreifen drauf gelassen.

Auch an dem Tag, als wir die Likholefossen besuchten und eine kleine Runde wandern gingen, hielt das regnerische Wetter weiter an. Aber es passte zur Landschaft, rau und wild.

Wanderung am Likholefossen

Sonne am Lustrafjorden, Schneestrum am Pass nach Jotunheimen

Am Lustrafjorden ließ sich die Sonne immer wieder Blicken, wir konnten nun also wieder erahnen, durch welche atemberaubende Landschaft wir die letzten vernebelten und verregneten Tage gefahren sind. Mit voller Vorfreude auf gute Sicht, ging es nun in die Berge zur Passstraße nach Jotunheimen. Doch statt Sonne gab es Schneesturm. Wir machten das Beste daraus. Justyna fand noch Weihnachtslieder auf ihrem MP3 Player und wir genossen unsere heiße Schokolade in einer schönen Winterlandschaft, wo die Berge mit frischem Puderzucker bestreut waren, der wie auf einem leckeren Sandkuchen lagen.

Schnee im Juli, das wollten wir festhalten

Nationalpark Jotunheimen

Wir fuhren die Mautstraße nach Spiterstulen, wofür wir 80 Kronen zahlten. Wohnwagen zahlen 100 Kronen. Parken kann man in der Nähe der Hütte Spiterstulen, was wir auch taten. Da es weiterhin stürmte und die Wetterprognose für die nächsten Tage besser wurde, warteten wir eine Nacht ab, bevor wir zu unserer Mehrtägigen Trekkingtour aufbrechen wollten.

Hier geht es zum Ausführlichen Bericht zur Trekking-Tour.

Wir starteten unsere Tour bei einem Mix aus Sonne und Schneefall. Für unsere 77 Kilometer durch den Nationalpark hatten wir unsere komplette Campingausrüstung dabei. Justynas Rucksack wog zu beginn 14 Kilo und meiner 26 Kilo. Klar, wer frisches Gemüse und Obst für die ersten Tage mitschleppt, hat sich seine Knieschmerzen auch regelrecht verdient. Von wegen, gesunde Ernährung.

Nationalpark Jotunheimen

Das Wetter besserte sich auf der Tour und wir hatte 6 Tage lang bestes Wander-Wetter mit grandioser Sicht auf die zum Teil über 2000m hohen Gipfel des Nationalparks Jotunheimen, was auch das höchste Gebirge Skandinaviens darstellt.

Leider sah ich am 2ten Tag, das sich meine Schuhsole vom Trekking-Schuh angefangen hat zu lösen. Am 4ten Tag flog sie dann komplett ab und ich durfte 2,5 Tage mit schwerem Gepäck durch alpines Gelände laufen, ohne Sohle am Schuh. Durch die unnormale Bewegung kam es dann zu einer Entzündung in der Achillessehne die noch 5 Tage nach der Tour doppelt so dick war, wie meine Gesunde auf der anderen Seite. Das ist das Leben, nichts ist umsonst und für alles gibt es zwei Seiten. Dafür konnten wir unser Zelt an Orte aufstellen, die so wunderbar einsam und so aussichtsreich waren, dass die Bilder und Erinnerungen im Kopf deutlich länger halten werden, wie die Schwellung am Fuß mit den Schmerzen.

Gewandert, bis die Sohle davon fliegt
Einer unser Zeltplätze bei der Wanderung durch Jotunheimen

Überfüllter Geiranger Fjord und Bus Unfall an den Trollstigen

Wohl mit einige der populärsten Ziele in Norwegen sind die Trollstigen und der Geiranger Fjord. Im Nachhinein muss ich sagen, war ich froh, dort schnell wieder weg zu kommen. Es gibt deutlich schönere Gegenden und schönere Landschaften und Fjorde, wie der Geiranger und deutlich leerer noch dazu. Ich habe selten in meinem Leben einen so überfüllten Ort gesehen wie am Geiranger. Die Menschen sind überall gelaufen, selbst auf der Bergstraße, wo gerade mal 2 Autos aneinander vorbeikamen. Jetzt fuhren da auch noch Reisebusse und die Menschen dazu auf der Straße… absolutes Verkehrschaos. Justyna machte kurz ein paar Schnappschüsse aus dem Auto aber um dort anzuhalten, hätte man mir schon eine große Summe Geld anbieten müssen und selbst da, hätte ich noch lange überlege müssen.

Geiranger

Als wir die Trollstige gerade nach unten verlassen hatten, stoppte die Autoschlange. 200m vor uns ist ein Reisebus umgekippt und auf der Seite liegend im Graben gelandet. Kurze Zeit später landete ein Rettungshubschrauber und die Straße war für 2 Stunden voll gesperrt. Wir hoffen, das es den Insassen heute wieder gut geht. Abgesehen davon, auch vor den Trollstigen, sind wir mindestens genauso schöne Straßen in Norwegen gefahren, die deutlich einsamer und idyllischer sind, als es hier war.

Frühstück am See in den Bergen. Im Hintergrund ein Zelt, denn gezeltet wird in Norwegen eigentlich überall.

Die Atlantikstraße nach Kristiansund

Es war wie verhext. Nur einen Tag später, wurde es wieder deutlich ruhiger auf den Straßen und der Strom an Touristen war wie versiegt. Keine Ahnung wo die alle hin sind. Für uns ging es zur Atlantikstraße, wohl ebenso bekannt aber bei weitem nicht so überfüllt. Die Landschaft ist schön und der Blick reicht bei blauem Himmel über ein gebirgiges Hinterland und mit vielen kleinen Inseln an der Küste. Die meisten Menschen sammelten sich hier an einer merkwürdig geformten Brücke, die den Anschein gab, ins nirgendwo zu führen.

Kurz vor Kristiansund geht es in einen 7 Kilometer langen Tunnel unter dem Meer hindurch, wo man anschließend direkt am Ortseingang Schild von Kristiansund wieder das Tageslicht erblickt. Der Spaß kostet 150 Kronen Maut.

Die Atlantikstraße

Über Aure nach Trondheim

Wir setzen mit der Fähre über auf die Insel Tustna und fuhren weiter nach Aure, wo wir einsam an einem wunderschönen kleinen Fjord entlangfuhren und am höchsten Punkt, mit Blick über die ganze Region unseren VW Bus für die Nacht abstellten.

Die letzten 100 Kilometer nach Trondheim fuhren wir gemischt auf kleinen Straßen und der Europastraße.

Ein paar Kilometer nach Aure, Blick von unserem einsamen Schlafplatz

Neuer Plattfuß am Auto und Metallica Konzert in Trondheim

Als wir an einem Vorort von Trondheim einen Supermarkt besuchten, verschlechterte sich meine Laune schlagartig, als ich wieder auf meinen rechten hinteren Reifen blickte. Komplett platt! Scheiße, wie lange bin ich damit jetzt gefahren? Keine Ahnung aber nach dem aufpumpen mit meiner 12V Kompressor Pumpe, hörte ich wieder dieses verdammte Geräusch, dieses blöde zischen, was einem wiedersagt, “Du hast ein Loch im Reifen“. Es war der Flicken “Made in Schweden“. Also das war wohl nix! War der Reifen einmal aufgepumpt, hielt die Luft ca. einen Tag. Also entschied ich mich den kaputten Reifen drauf zu lassen und zu versuchen bist nach Östersund in Schweden zu kommen, was wir wohl in 2 bis 3 Tagen erreichen würden.

Danke eines Metallica Konzertes in Trondheim an genau dem Abend, als wir die Stadt erreichten, ließ sich sehr schlecht ein noch freier Parkplatz zum Parken zum nächtigen finden. Wir entschieden uns, auch wegen dem kaputten Reifen zum weiterfahren und waren froh, als wir wieder aus der Stadt raus waren.

Es geht nun wieder nach Schweden und wir werden nun wohl zwei neue Reifen für unsere Hinterachse benötigen. Aber die Aussicht zum Besuch 2 toller Wasserfälle und einer Schokoladen Fabrik motiviert uns trotz alldem.