Südschweden: Skandinavien-Baltikum-Tour 5

Südschweden: Skandinavien-Baltikum-Tour 5

19. Juni 2019 2 Von Björn

Einlaufen in Göteborg

Der Wecker weckte uns ziemlich früh am Morgen unsanft, es viel uns mittlerweile schwer auf das nervende „Steh endlich auf“ Signal zu hören und aufzustehen. Wie brauchten keinen Wecker mehr, doch heute waren wir froh einen zu haben, denn unsere Fähre nach Schweden wollten wir nicht verpassen. Möwen Geschrei, schifffahren und Hafen Atmosphäre, das klingt doch nach Urlaub.

Dreieinhalbstunden dauerte die Überfahrt von Frederikshavn nach Göteborg. Die Fährfahrt war für uns eine gute Alternative zu den beiden großen Brücken, um nach Schweden zu gelangen. Wir zahlten dank Nebensaison nur 80€ für uns und den Camper für die Überfahrt.

Nach fast 2 Stunden Fahrt, konnte am Horizont Land ausgemacht werden. Etwas später fuhren wir schon durch viele kleine Inselgruppen hindurch. Die Fähre drosselte ihre Geschwindigkeit, wohl auch um weniger Wellengang und Sog zu erzeugen und so hatten wir alle Zeit der Welt die Inseln und das Einlaufen in den Hafen von Göteborg zu bestaunen.

Göteborg kam näher und damit auch die vielen kleinen Inseln
Göteborg

Raus aus der Stadt und rein in die Natur

Von der Fähre runter, durfte ich gleich darauf eine junge Polizistin davon überzeugen, dass ich kein Alkohol-Schmuckler bin. Nach dem obligatorischen Alkoholtest, durfte ich dann aber weiterfahren.

Wir wollten auf schnellstem Wege die Stadt wieder verlassen. Uns war das nichts, viele Menschen, viele Autos, viele Straßen. Damit wollten wir aktuell nicht umgehen und flüchteten wieder auf ländliche ruhige Straßen. Und tatsächlich wurde es in Schweden noch ruhiger als in Dänemark. Zum Teil fuhren wir auf nicht asphaltierte Straßen oder nur sehr schmale Wege entlang und trafen auf wenig oder sogar keinen Gegenverkehr.

Wir testeten kurz eine Europastraße, merkten aber schnell das wir hier nicht gut aufgehoben sind und nicht wirklich viel vom Land sahen. Daher wechselten wir wieder auf das langsame und schönere Vorankommen.

Frühstücken am See nach einem erfrischendem Bad

Mariestad und der Vänern

In der Nähe von Mariestad besuchten wir Verwandtschaft von Justyna. Wir wohnten für eine kurze Zeit bei ihnen und konnten so auch mehr über das arbeiten und leben in Schweden, sowie über die Schweden selbst erfahren.

Am 6. Juni besuchten wir Mariestad, es war Schwedischer Nationalfeiertag und an jedem Haus war die Schwedische Fahne zu sehen. Viele Schweden befestigten kleine Fähnchen an ihren Fahrrädern um ihren Stolz auf ihr schönes Land auszudrücken.

Da es mittlerweile gut warm und zum Teil auch heiß wurde, begann für uns die Badesaison in Schweden und so sprangen wir regelmäßig in die vielen Seen hinein die wir auf der Weiterfahrt entdeckten, um uns abzukühlen. An vielen Seen mussten wie oft weit über 100m hineinlaufen, um überhaupt schwimmen zu können, dafür wurde das Wasser auch Anfang Juni schnell warm, zumindest in den kleineren Seen.

Schlafen direkt am See, so verbrachten wir die meisten Nächte

Sommer Zeit ist Mücken Zeit

Nach dem der starke Wind vom Meer verschwunden ist, kommen nun wieder neue Gründe um sich im Bus zu verstecken. Die Stechmücken und Kriebelmücken fingen an uns zu ärgern. Mit jedem Tag wurden sie häufiger und nerviger. Die Mückensprays aus Deutschland versagten auf ganzer Linie. Ich hatte eher die Vermutung, dass die das Zeug sogar geil fanden. Zum Glück half das Einheimische Insektenspray und wir konnten uns dank der entsprechenden Chemie Rezeptur wieder draußen bewegen. Doch Mückenstiche gehören wohl einfach zu Skandinavien. Wir akzeptierten die Tiere am Tage und hörten auf unsere Stiche zu zählen.

Die Nächte wurde durch die anhaltende Wärme etwas unangenehmer. Wenn wir dann doch einmal eingeschlafen sind, wurden wir durch den lieblichen Sound von Mücken geweckt. Wir machten eine Mücke nach der anderen platt, doch irgendwie nahm es kein Ende. Wann und wo sind sie in den Bus gekommen? Gestern Abend? Heute Nacht? Aber wie? Ich entschied mich die nächtliche Jagt einzustellen und genau wie am Tage es einfach zu akzeptieren und mit Ohropax zu schlafen. Wir spenden sowieso gerne Blut und mit jedem Tag und jeder Nacht wurde man im Umgang mit diesen kleinen Blutsaugern entspannter und im Notfall gab es wieder die Chemie-Keule.

Angelparadies Schweden, jetzt weiß ich warum!

Es war nun die Zeit gekommen, die kleine Reise-Angel aus dem Winterschlaf zu holen. Denn in Schweden ist das Angeln fast genauso einfach und günstig wie in Kanada. Über die Homepage ifiske.se kann per Kreditkarte oder Paypal online spontan eine Angelkarte gekauft werden. Es gibt sehr viele Seen in Schweden, die mittlerweile auf dieser Seite registriert sind und man vor Ort einfach innerhalb von einer Minute seine Erlaubnis kaufen kann. Eine Tageskarte kostet zwischen 2€ und 6€, je nach Region und See. Wochenkarten gibt es zwischen 7€ und 15€. Jahreskarten kosten meist um die 30€ bis 40€.

Nach dem ich eigentlich auf Barsch angeln wollte, warf ich nur ein einziges Mal meine Angel mit einem kleinen Spinner ins Wasser…und ein 50cm langer Hecht ernährte uns nach diesem Augenblick 3 Tage lang. Das reichte erst mal für den Anfang. Keine Ahnung ob es Zufall war oder ob die Seen wirklich so Fischreich sind. Wir werden es bestimmt bald rausfinden.

10 Sekunden Angelspaß und das Abendessen für 3 Abende war gesichert

Schöne Häuser, weite Wälder und ein See ist nie weit weg

Die Landschaft in Schweden ist im Süden sehr lieblich. Uns gefielen die vielen roten und gelben Holzhäuser, die in unseren Augen Gemütlichkeit präsentierten. Wir fingen an unsere Zukunft in einen dieser Häuschen zu spinnen. 40.000€ für 5 Hektar Land und Haus, na da darf man doch träumen. Ruhe findet man in Schweden immer, auch an den vielen Badestellen an den Seen. Ist dir zu viel los an einem See, weil gerade zwei Familien da sind, fährst du einfach 5 Kilometer weiter um deinen Ruhe am nächsten See zu finden und meist ist man dann komplett alleine.

Als wir in der Darlana Region einer Schotterstraße durch die Wälder Schwedens folgten, lief eine Frau mitten im nirgendwo alleine die Straße entlang. Wir fragten ob alles okay sei. Sie hieß Kristina und machte einen größeren Waldspaziergang und hat sich dabei zu weit von ihrem Auto entfernt, also nahmen wir sie mit zurück zu ihrem Auto. Als Dankeschön wurden wir zu ihr nach Hause eingeladen und lernten die schicken roten süßen Häuschen so endlich auch mal von innen kennen. Kristina kochte für uns Rhabarber Creme, was für sie typisch in der schwedischen Kindheit war. Es war sehr lecker.

5 Tage Kanu Tour durch Värmeln und Glafsfjorden

Die Region Värmland in Südschweden am nördlichen Ende vom Väner, Schwedens größtem See, bietet hervorragende Voraussetzungen für Tages- und Mehrtagestouren mit Kanu oder Kajak. Auf Seen und Kanälen kann hier die Natur, die Region und die Schwedische Lebensweise erkundet werden. Ruhe und Einsamkeit, gemischt mit Lagerfeuer Romantik und wildes Campen an ruhigen Ufern und kleinen einsamen Inseln. Wer auf solche Dinge steht, ist hier genau richtig! Somit waren auch wir hier richtig!

Wir hatten auf einer 5 Tage Kanutour alles was man so haben konnte an Wetter. Absolute Windstille, heiß und sonnig, sowie Gewitter und Sturm mit hohen Wellen und Regen. Die Plätze wo wir unser Zelt aufstellten, waren immer in einer einzigartigen Kulisse. An 2 Nächten campierten wir auf einsamen kleinen Inseln und durften uns zumindest zum Teil wie Robinson Crusoe fühlen, als wir am Lagerfeuer saßen und um 22:30 den Sonnenuntergang hinterher blickten und um uns herum nur Wasser zu sehen war.

Kanu-Wandern einmal anders. Umtragestelle zwischen den Seen.
Sind wir noch richtig?
Auf der Suche nach einem guten Platz für die Nacht

Die Region um Mora und dem Siljan See

Die Landschaft um dem Siljan See wurde nun etwas bergiger und man konnte nun öfter nicht nur durch den endlosen langen Wald aus meist Birke, Fichte und Kiefer blicken, sondern auch darüber hinaus in die Weite. Wir verbrachten einen Abend auf dem “Digerberget“ bei Tallberg und konnten bei selbst gegrillten Abendessen den Sonnenuntergang bewundern, der mittlerweile kurz vor 23Uhr war. Richtig dunkel wurde es nicht mehr und auch die Müdigkeit die wir aus dem Leben aus Arbeit und Freizeitstress kennen ist verschwunden. Am 21. Juni ist Mittsommerfest in Schweden, also in 5 Tagen als ich diesen Satz hier gerade schreibe und unser Körper will am Abend einfach nicht einschlafen, sondern lieber die Natur genießen…und sich stechen lassen.

Die Region um dem Siljian See ist wunderschön aber auch sehr Touristisch. In Leksand direkt am See ist wohl das berühmteste Mittsommerfest und die Massen strömen dann hier her. Wir sahen die Vorbereitungen 5 Tage vor dem Termin und trafen einige Camper, die extra deswegen hierhergekommen sind.

Wir besuchten Mora und lernten einiges über die Geschichte Schwedens kennen.

Siljan See

Der Vasalauf und Schwedens erster König

Eine mittlerweile gigantischer Skilanglaufwettbewerb der immer am ersten Wochenende im März stattfindet, mit mehreren zehntausenden Startern.

Die eigentliche Geschichte des Vasalaufes begann 1521 als Gustav Eriksson die Menschen in Mora davon überzeugen wollte sich gegen den damals herrschenden Dänenkönig Kristian II. zu vertreiben. Die Einwohner von Mora machten nicht ganz mit und so floh Gustav weiter. Als die Bewohner dann doch merkten, was für Tyrann der Dänenkönig ist, sendeten sie 2 ihrer besten Langläufer um Gustav wieder zurück zu holen. So entstand das Rennen. Gustav wurde unter dem Namen Gustav I. Vasa zu Schwedens erstem König gewählt.

Figur in Mora zum Vasalauf

Uns zieht es jetzt weiter nach Westen in Richtung Norwegen. Wir waren wohl nicht das letzte mal auf unserer Reise in Schweden, doch jetzt rufen die Trolle, ich kann sie schon von weiten hören…